Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 21. (1968)

SPRUNCK, Alphonse: Verteidiger der Interessen Österreichs in den südlichen Niederlanden während des Spanischen Erbfolgekrieges 1709–1714

Verteidiger der Interessen Österreichs in den südlichen Niederlanden 75 eine schlimme Enttäuschung; dadurch mußten die Vertreter des Kaisers von England harte Bedingungen annehmen, um den Abtransport der Kaiserin und der österreichischen Truppen aus Katalonien zu erlangen. Mit Ausnahme derjenigen, die für die Garnisonen notwendig waren, sollten diese auch Italien räumen. Die Bedingungen für die Räumung von Katalonien waren so hart und demütigend, daß die Franzosen keine härteren hätten stellen können, wenn sie die Kaiserin schon in Barcelona eingeschlossen hätten 8). Die Räumung Kataloniens war für den Kaiser gleichbedeutend mit einem Verzicht auf die spanische Monarchie, da für ihn keine Möglichkeit zur Rückkehr mehr bestand, selbst wenn in Flan­dern ein unerwarteter Umschwung der Lage eintreten sollte. Hortiz billigte die Zugeständnisse, die der Kaiser für die Sicherheit seiner Gemahlin gemacht hatte, aber er glaubte, die Gefahr für sie sei übertrieben worden. Er hoffte, vielleicht könne man die Kaiserin auf an­dere Weise in Sicherheit bringen, ohne die Bedingungen des Vertrags auszuführen. Anscheinend sahen die Generalstaaten nunmehr ein, daß sie einen Fehler begangen hatten, als sie die Vorschläge der englischen Mi­nister annahmen. Sie machten nämlich weitere Anstrengungen für einen Feldzug und hatten, wie Hortiz vernommen hatte, den Kaiser um die Entsendung des Prinzen Eugen nach Flandern gebeten. Von ihrer zu­verlässigen Hilfe erwartete er große Vorteile für Österreich. Auch in England und anderwärts bereiteten sich große Umwandlungen vor. In einer Nachschrift erklärte Hortiz, er habe erfahren, die Königin von Eng­land habe ihrem Admiral befohlen, die Kaiserin nach Italien zu brin­gen; die Bedingungen für dieses Zugeständnis kannte er nicht. Am 19. Juni meldete Hortiz an Kurz, daß er nach einer beschwer­lichen Reise von Utrecht in Brüssel angekommen war. Mit Ausnahme von Osuna und Monteleón9) waren alle Kommissäre Ludwigs XIV. nach Ver­sailles zurückgekehrt; diese hatten große Schwierigkeiten mit den Hol­ländern und Portugiesen. Wie behauptet wurde, würden die Franzosen Luxemburg am 19. oder 20. Juni räumen10); auch wurde erzählt, die Königin von England habe Marlborough wieder nach London berufen. Kurz hatte Hortiz am 12. Juni mitgeteilt, daß er Barcelona verlassen hatte und wieder in Wien weilte. Dieser meldete ihm am 26., die Fran­zosen gebrauchten allerlei Vorwände, um die Räumung von Luxemburg von einem Tage auf den andern aufzuschieben, trotz den Bedingungen 8) Über die Lage in Katalonien: Baudrillart, S. 551—553, Redlich, S. 129. Ein Vertrag über die Räumung Kataloniens wurde am 14. März 1713 zwischen dem Kaiser, Frankreich und Spanien geschlossen. C. C. P. E., Mai 1713, S. 306— 310. 9) Zur Charakteristik von Osuna und Monteleón: Baudrillart, S. 551. Monteleón hatte am 21. Dezember 1712 eine Audienz bei der Königin von England erhalten. C. C. P. E., Februar 1713, S. 129. >#) Luxemburg wurde am 26. Juni 1713 von den Franzosen geräumt.

Next

/
Oldalképek
Tartalom