Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 21. (1968)

SPRUNCK, Alphonse: Verteidiger der Interessen Österreichs in den südlichen Niederlanden während des Spanischen Erbfolgekrieges 1709–1714

76 Alphonse Sprunck des Friedensvertrages, den die Königin, die Generalstaaten, die Könige von Preußen und Portugal und der Herzog von Savoyen am 12. April mit Ludwig XIV. unterzeichnet hatten; Hortiz befürchtete, die Franzosen wollten bis zum Friedensschluß mit dem Kaiser im Besitz dieser wich­tigen Festung bleiben. In Flandern hatten sich zwei Abteilungen engli­scher Truppen gegen ihre Kommandanten empört, unter dem Vorwand, ihr Sold sei ihnen verkürzt worden. Sie hatten sich von den andern Re­gimentern getrennt, einen eigenen Anführer gewählt und eine Stellung sehr gut befestigt, um sich gegen Angreifer zu wehren. Über die innern und äußern Schwierigkeiten der Staaten, die den Ut- rechter Vertrag unterzeichnet hatten, war Hortiz sehr gut unterrichtet; natürlich erwartete er davon Vorteile für den Kaiser, der den Krieg gegen Ludwig XIV. fortsetzte. Im selben Briefe meldete er, die Uneinig­keit zwischen Engländern und Schotten würde immer schlimmer, da diese den Unionsakt auflösen wolltenu). Auch die englischen Kauf­leute und Fabrikanten waren über den Utrechter Frieden ärgerlich und beklagten sich beständig bei der Königin. Dadurch entstanden Streitig­keiten zwischen den beiden Parteien der Regierung11 12). Eine Meldung aus Paris, die englische Flotte habe alle oder den größten Teil der kaiser­lichen Truppen aus Katalonien abtransportiert, hielt Hortiz nicht für gewiß. Aus dem Haag hatte er vernommen, die Generalstaaten befürch­teten einen Krieg mit Preußen13). In den katholischen Niederlanden herrschte noch immer die schlimmste Unordnung, ohne daß es möglich war, die Unruhestifter zu bestrafen. Am 20. Juli schrieb Hortiz von Brüssel aus an Kurz, er habe aus Utrecht vernommen, auch Spanien unter seinem neuen König habe Frie­den mit England und Savoyen geschlossen; die Bedingungen waren noch nicht bekannt. In den Verhandlungen der Franzosen mit den Holländern und Portugiesen gab es Schwierigkeiten, aber die Minister Ludwigs XIV. waren nunmehr in der Lage, sie auf ihre Weise zu regeln, ohne daß die Vertreter anderer Staaten wagen konnten, ihnen zu widersprechen. Unter verschiedenen Vorwänden meuterten die englischen Truppen in Gent, Brügge und Nieuport; Hauptgrund war die Unzufriedenheit mit ihrer Regierung, die sie vor den Gegnern und den Verbündeten verächtlich und gehässig gemacht hatte. Die letzten Briefe aus England meldeten, daß 11) Die englischen Peers hatten sich Anfang 1712 geweigert, den schottischen Herzog von Hamilton in das Oberhaus aufzunehmen. C. C. P. E., April 1712, S. 264. — Im Juli wurde in Tempeln der schottischen Presbyterianer gegen die neue Regierung gepredigt. Ibidem, Oktober 1712, S. 276. 12) „Como este es un punto muy esencial, da mucho que ha^er al gover- no y motibo a muchas controversias entre los Thorys y Vigts.“ 12) Als Erbe Wilhelms von Oranien hatte der König von Preußen die Stadt Mörs am Niederrhein besetzen lassen. In Lüttich hatten preußische Truppen im Dienste der Generalstaaten gemeutert. C. C. P. E., Februar 1713, S. 75 und April, S. 273.

Next

/
Oldalképek
Tartalom