Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 21. (1968)
SPRUNCK, Alphonse: Verteidiger der Interessen Österreichs in den südlichen Niederlanden während des Spanischen Erbfolgekrieges 1709–1714
Verteidiger der Interessen Österreichs in den südlichen Niederlanden 59 Untertanen erklären wollten. Um die Ruhe und Ordnung in den katholischen Niederlanden zu sichern, hätten die Seemächte Erzherzog Karl durch den Staatsrat erlauben müssen, sich zu ihrem König ausrufen zu lassen oder wenigstens eine Regierung zu bilden, deren Minister seine Untertanen wären. Den Engländern und Holländern hätte man gestatten können, bis zum Friedensschluß darin ihre Vertreter zu haben. Der Staatsrat, der Erzherzog Karl und der Bevölkerung der südlichen Niederlande viel Schaden zugefügt hatte, wäre auf diese Weise verschwunden. Hortiz hatte diese Ansicht Sinzendorf, Orrery und auch einigen Mitgliedern der Generalstaaten mitgeteilt, aber er befürchtete, sie würden den Erzherzog nicht vor dem Friedensschluß als Herrscher der katholischen Niederlande anerkennen, um ihre Machtstellung und alle Vorteile, die sie daraus zogen, zu behaupten7). Auch die vorgeschlagene Reform des Staatsrates entsprach nur den persönlichen Interessen der Mitglieder der Konferenz. Nur in der Absicht, die Autorität des Erzherzogs zu zerstören und die Bevölkerung auszubeuten, waren die Mitglieder des Staatsrates einig. Der Vertreter des Herzogs von Savoyen hatte einem Vertrauensmann erklärt, dieser hätte besser getan, ihn nicht nach London zu senden. Einige Anzeichen deuteten darauf hin, daß die Engländer den Frieden wünschten 8). Nach Gerüchten, die vorläufig zweifelhaft waren, weilten der Marschall d’Huxelles und Abbé de Polignac in London; vielleicht wollte die Versailler Regierung nur die öffentliche Meinung beruhigen. Zweifellos waren die Engländer nicht mehr der Anstrengungen fähig, die sie vorher gemacht hatten. Wahrscheinlich wollte Ludwig XIV. die Uneinigkeit in der Londoner Regierung zu seinem Vorteil benutzen. Wie behauptet wurde, hatte ein englisches Geschwader französische Schiffe gekapert, die große Mengen von Geld und Waren aus Amerika brachten. In London wurde behauptet, die Engländer hätten sich des Hafens von Cartagena bemächtigt9). Die Franzosen trafen Vorbereitungen, um mit 16 000 Mann in Brabant einzudringen. Hortiz bedauerte sehr, daß in Spanien die kaiserliche Armee die günstige Gelegenheit nicht benutzen konnte, um zum Angriff überzugehen. Nur mit eigenen Mitteln 7) „No ay forma de redugirlos a que se conozca el Rey antes que se con- cluya la paz, así por minorar la dispótica autoridad que se an tornado, como por conservar el util particular que gozan, teniendo (como se dice) las manos en la masa: y según lo que yo puedo alcanzar, el principal motivo que les asiste para deshagerse del Consejo de Estado es solo por no tener competido- res ó, por mejor degir, companeros con quienes deven partir la ganangia y autoridad del mando, siendo este el unico origen de que dimana la discordia entre unos y otros.“ 8) Uber die Haltung Englands nach dem Tode Kaiser Josefs: Redlich, S. 107, Legrelle S. 580 und 602. B) Cartagena an der Küste Columbiens.