Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 21. (1968)

SPRUNCK, Alphonse: Verteidiger der Interessen Österreichs in den südlichen Niederlanden während des Spanischen Erbfolgekrieges 1709–1714

60 Alphonse Sprunck und aus eigenen Anstrengungen konnte Erzherzog Karl König dieses Landes werden und dort unabhängig von der Willkür der Seemächte regieren. Die Kaiserwahl mußte möglichst bald geschehen, um eine Ein­mischung Frankreichs zu verhindern. Der König von Preußen hatte den Haag verlassen; er selbst und auch die Generalstaaten waren sehr zu­frieden mit der Haltung Sinzendorfs in einem Prozeß, der zu langen Verhandlungen mit diesen geführt hatte. Mit Ausnahme von vier Schiffen, die einem Sturm zum Opfer gefallen waren, war eine holländische Flotte mit einer Ladung von 45 Millionen Gulden glücklich aus Ostindien heim­gekehrt, nachdem die Holländer ihre Kaperung durch die Franzosen be­fürchtet hatten. Am 7. August schrieb Hortiz an Kurz, er hoffe, die Gelder, die Graf Molar erhoben hatte, zusammen mit den geringen Summen, die England nach Spanien gesandt hatte, würden genügen, um dort eine Offensive zu beginnen; nach Meldungen, die er aus Frankreich erhalten hatte, war Philipp von Anjou in schlechter Lage I0). Für die Nachrichten über Kape­rung von feindlichen Schiffen und die Einnahme von Cartagena hatte er noch keine Bestätigung erhalten. Im Gegensatz zu vielen andern er­wartete Hortiz von Erfolgen der Seemächte in den spanischen Kolonien nur Nachteile für Österreich, da bei der gegenwärtigen Lage eine Lan­dung ihrer Truppen an der atlantischen Küste Spaniens die Franzosen zum Rückzug aus diesem Lande zwingen könnte. Gerade hatte er die Meldung erhalten, die Truppen der Verbündeten hätten ohne Widerstand die feindlichen Linien in Flandern besetzt. Am 14. August schrieb Hortiz an Kurz, daß seit dem Tode des Erz­bischofs von Mecheln in den katholischen Niederlanden die größte Ver­wirrung herrsche; die Bevölkerung ärgere sich über die Holländer, die dem vom Erzherzog ernannten Bischof von Antwerpen nicht erlaubten, sein Amt auszuüben. Sie behaupte, diese wollten alle Bewohner ihrer Provinzen zu Protestanten machen. Hortiz hatte daher Sinzendorf ge­beten, bei den Generalstaaten darüber Vorstellungen zu machen, aber diese verlangten, der Erzherzog müsse ihnen auch über die Besetzung kirch­licher Stellen Mitteilung machen und ihre Zustimmung einholen. Hortiz riet ihm, solche Ernennungen bis zur Herstellung seiner vollständigen Souveränität in den niederländischen Provinzen aufzuschieben. Er wieder­holte auch seinen früheren Vorschlag, vom Papst für Erzherzog Karl die Erlaubnis zu erhalten, während einer Sedisvakanz die Einkünfte des be­treffenden Bistums einzuziehen. Am 20. August schrieb er an Kurz, der Plan einer Umänderung des Staatsrates scheine vorläufig aufgegeben; vor einer Proklamation des Erz­herzogs zum Herrscher der katholischen Niederlande könne jede Reform in der Regierung oder der Verwaltung die allgemeine Unordnung nur 10) Über die Anweisungen, die Ludwig XIV. um diese Zeit seinen Ministern gab: Baudrillart, S. 449—462.

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