Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 21. (1968)
SPRUNCK, Alphonse: Verteidiger der Interessen Österreichs in den südlichen Niederlanden während des Spanischen Erbfolgekrieges 1709–1714
58 Alphonse Sprunck Am 19. Juni schrieb Hortiz an Kurz, er habe mit größter Freude vernommen, daß die Flotte mit Hilfstruppen glücklich in Katalonien gelandet war. Außer anderen extravaganten Gerüchten verbreiteten die Franzosen auch die Behauptung, Erzherzog Karl habe Barcelona nach dessen Zerstörung am 19. Mai verlassen, um sich nach Deutschland zu begeben. Keines dieser Gerüchte wurde für ganz vertrauenswert angesehen, aber die Anhänger Österreichs wurden dadurch entmutigt, während seine Gegner wiederum Zuversicht gewannen. Der Erzbischof von Mecheln, der ein großer Freund Österreichs war, war gestorben. Mit Sinzendorf und Zinzerling hatte Hortiz schon über die wichtige Frage von dessen Nachfolge gesprochen. Ein Kanonikus von Köln, der zum Bischof von Antwerpen ernannt worden war, bemühte sich, in den tatsächlichen Besitz dieses Sprengels zu kommen6). Hortiz hatte ihm schon im vorigen Jahre geraten, Geduld zu haben, da er auf eine Weigerung stoßen und so die Autorität des Erzherzogs einer Demütigung aussetzen könnte. Am 5. August schrieb Hortiz an Kurz, die Vertreter der Generalstaaten in der Konferenz hätten sich im Haag beklagt, daß der Staatsrat ihnen nicht gehorchen wolle. Nach langen Beratungen, an denen Orrery teilnahm, schien es, als ob der Staatsrat reformiert werden solle; die Konferenz wollte sich die absolute Herrschaft über die niederländischen Provinzen anmaßen. Da Hortiz von einer weiteren Reform des Staatsrates nur Nachteile für Österreich befürchtete, hatte er Sinzendorf gebeten, mit allen Mitteln gegen diesen Plan zu arbeiten. Zwar war der Staatsrat nutzlos und schädlich, aber seine Mitglieder waren Untertanen des Erzherzogs und seine Befehle und Beschlüsse wurden in dessen Namen veröffentlicht, sodaß die einheimische Bevölkerung erwarten konnte, nach dem Kriege unter das Zepter eines katholischen Monarchen zu kommen, worauf sie viel Wert legte. Sobald sie unter die absolute Herrschaft von protestantischen Ausländern käme, würde sie Gerüchte ernst nehmen, die von den Franzosen verbreitet wurden, nämlich: die Generalstaaten würden ihr Land in Besitz nehmen. Daher wäre sie bereit, sich einem andern zu überlassen, was ihr bei der vorläufigen Schwächung der Armee der Verbündeten sehr leicht wäre. Der bayrische Kurfürst, der an dem Titel eines Souveräns der niederländischen Provinzen festhielt, verfügte über starke Garnisonen in Namur, Charleroi und Nieuport; jederzeit konnte er mit der Unterstützung Ludwigs XIV. rechnen und auch die beschützen, die sich als seine Oranien in dieser Provinz besaß, dem Fürsten von Nassau, Gouverneur von Friesland, zugesprochen hatte. C. C. P. E., Mai 1711, S. 351. 6) Die Generalstaaten wollten den Bischof von Antwerpen ernennen. C. C. P. E., Mai 1711, S. 350. Der Journalist sah diese Forderung als Beweis an, daß sie dem zukünftigen Herrscher der südlichen Niederlande nur die Ehrentitel der einzelnen Provinzen belassen wollten.