Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 21. (1968)
SPRUNCK, Alphonse: Verteidiger der Interessen Österreichs in den südlichen Niederlanden während des Spanischen Erbfolgekrieges 1709–1714
Verteidiger der Interessen Österreichs in den südlichen Niederlanden 57 sie hätte den Entschluß der Königin von England und der Generalstaaten, ihn zum Herrscher der gesamten spanischen Monarchie und zum Kaiser zu machen, mit größter Freude begrüßt. Da die Franzosen das Gerücht verbreitet hatten, Erzherzog Karl müsse sich nach dem Tode seines älteren Bruders nach Deutschland zurückziehen und alle Ansprüche auf Spanien aufgeben, hatte einige Tage in diesen Provinzen große Trauer geherrscht. Aber die Erklärungen von Hortiz hatten bewirkt, daß auch die Anhänger des Herzogs von Anjou ihre Gesinnung änderten, da sie verstanden, daß sein Gegner nunmehr über größere Kräfte zur Erringung des Endsieges verfügte. Von den Bemühungen des Marqués de Burgo in London erwartete Hortiz keinerlei Erfolg; die Generalstaaten hätten öffentlich erklärt, sie wollten keine Abänderung an den Verträgen über die Thronfolge in Spanien zulassen. Auch der Vertreter Portugals in Spanien wollte sich im selben Sinne wie Burgo für seinen König mit größter Heimlichkeit bemühen und hatte vor einigen Tagen einen Kurier über England nach Lissabon gesandt. Hortiz empfahl dem Erzherzog größte Vorsicht gegenüber solchen Machenschaften. Jedenfalls mußte er unbedingt in Katalonien bleiben, wo seine Gegenwart notwendiger war, als in Deutschland; falls er Barcelona verließ, lief er Gefahr, Spanien für immer zu verlieren. Auch die Gegenwart Sinzendorfs im Haag war unbedingt notwendig, da er, gemeinsam mit Gallas, in Verhandlungen eingreifen mußte, die für ganz Europa entscheidend werden konnten. Im Mai waren die militärischen Operationen durch schlechtes Wetter verhindert worden; da die Truppen der Verbündeten noch weiter untätig blieben, wurde behauptet, diese Ruhe würde bis zur Kaiserwahl andauern. Aber Hortiz rechnete mit einer baldigen Offensive der Verbündeten, da ihre Truppen zahlreicher und besser waren, als die des Gegners. Französische Emissäre verbreiteten das Gerücht, eine kaiserliche Flotte, die Truppen aus Italien nach Spanien bringen sollte, wäre an der pro- venzalischen Küste durch einen Sturm ganz zerstört worden3). Die Franzosen hatten sich auf stark befestigte Linien zurückgezogen, sodaß den Verbündeten nichts übrig blieb, als eine der nahen Festungen wie Ypern oder St. Omer zu belagern. Der Vertreter des Herzogs von Savoyen war in London schlecht empfangen worden 4 5). Die Limburger Stände verweigerten noch immer die Auszahlung der Gelder für die Schulden Qui- ros’. Der König von Preußen weilte im Haag wegen eines Prozesses mit dem Fürsten von Nassau um das Erbe des letzten Königs von England 5). 3) Nach einem Bericht der C. C. P. E. vom April 1711, S. 247, hatten im Januar und Februar Stürme zahlreiche englische und holländische Schiffe an den Küsten von Irland, Spanien und Portugal zerstört. 4) Anfang Mai hielt der Herzog von Savoyen in Turin Besprechungen mit den Vertretern der Verbündeten. C. C. P. E., Juli 1711, S. 25. 5) Der König von Preußen hatte Appell eingelegt gegen einen Schiedsspruch des Feudalgerichtes von Brabant, das im Mai 1708 die Güter, die das Haus