Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 21. (1968)

SPRUNCK, Alphonse: Verteidiger der Interessen Österreichs in den südlichen Niederlanden während des Spanischen Erbfolgekrieges 1709–1714

56 Alphonse Sprunck Viertes Kapitel Der Tod Kaiser Josefs und die Wahl seines Nachfolgers. Der neue Kaiser und der Brüsseler Staatsrat. Der Utrechter Friedenskongreß und die geheimen Verhandlungen der Londoner Regierung mit Ludwig XIV. Am 3. Mai 1711 schrieb Hortiz an Kurz, die Königin von England und, wie behauptet wurde, sogar der König von Preußen, von dem eher Schwierigkeiten zu erwarten waren, hätten sich für die Wahl Erzherzog Karls zum Kaiser ausgesprochen. Die Truppen der Verbündeten standen schon an der Kampflinie, doch wurde mit keiner Offensive gerechnet bis zur Ankunft des Prinzen Eugen. Am 14. Mai meldete Hortiz an Kurz, in den katholischen Niederlanden stehe vorläufig die Lage günstig für Erzherzog Karl, trotz allen Intrigen der Franzosen. Wie behauptet wurde, wollten diese Max Emanuel eine Armee von 40 000 Mann überlassen, zu einem Einfall in die deutschen Kurstaaten, um ihre Fürsten davon abzubringen, Erzherzog Karl ihre Kurstimmen zu geben *). Aber die öster­reichischen Generäle hatten schon ihre Vorkehrungen für einen solchen Plan getroffen. In Brüssel wurde behauptet, Erzherzog Karl würde von Barcelona nach Deutschland abberufen werden; in diesem Falle müßte jedenfalls seine Nachfolge gut überlegt und geregelt werden, da von ihr das Glück der niederländischen Provinzen und der Friede von ganz Europa abhing. Prinz Eugen war vor vier Tagen zur Armee abgereist. Am 22. Mai schrieb Hortiz an Kurz, auf den Wunsch Sinzendorfs bleibe er im Haag bis zur Kaiserwahl. Marqués de Burgo, der Vertreter des Herzogs von Savoyen, war dort sehr tätig und hatte Befehl erhal­ten, nach London zu reisen. Wahrscheinlich hatte er einen Plan für die gegenwärtige Lage bereit, aber dieser war keineswegs begründet; auch von den Seemächten konnte er keine Unterstützung dafür erwarten, da er ihren Interessen zuwider war. Von der Niederwerfung des ungarischen Aufstandes erwartete Hortiz günstige Folgen auch für die spanische Monarchie 2). Hortiz hatte Erzherzog Karl gebeten, von den Brabanter Ständen Unterstützung zu fordern; diese Bitte wurde ihm verweigert. Am 4. Juni schrieb er an Kurz, die einheimische Bevölkerung der katholischen Nie­derlande zeige noch immer große Anhänglichkeit an den Erzherzog und * S. veulent s’unir plus fortement que jamais ä la Maison d’Autriche: qu’Elles écriront ä tous les Electeurs, que comme bons amis et alliez de l’Empire, Elles leur conseillent, pour le plus grand bien de la cause commune et celui de l’Empire, de vouloir bien procéder au plutot ä une nouvelle élection et de tourner leurs sentimens et leurs suffrages en faveur du Roi Charles. Qu’il falloit se tenir plus unis que jamais, et agir de tous cőtez avec la mérne vigueur et montrer ä l’ennemi commun, que rien n’est capable d’ébranler l’union et la termeté qui se trouvent parmi les alliez.“ C. C. P. E., Juni 1711, S. 424. !) Über die Kaiserwahl: Redlich, S. 109. 2) Über den Aufstand in Ungarn: Arneth, Band 2, S. 173—176.

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