Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 21. (1968)
SPRUNCK, Alphonse: Verteidiger der Interessen Österreichs in den südlichen Niederlanden während des Spanischen Erbfolgekrieges 1709–1714
Verteidiger der Interessen Österreichs in den südlichen Niederlanden 53 In einem Brief vom 3. Januar 1711 hatte Kurz Hortiz gebeten, für die Entsendung von Hilfstruppen nach Spanien einzutreten. Hortiz antwortete ihm am 5. März, daß er alle Anstrengungen gemacht hatte, um die Seemächte dazu zu bewegen. In Brüssel und im Haag hatte er mündlich, schriftlich und auch durch Flugschriften in den südlichen Niederlanden, in England und in Deutschland die Aufforderung verbreitet, gerade in Spanien den Endsieg zu erringen; die Ansicht, dieses Land könne in den südlichen Niederlanden und in Nordfrankreich erobert werden, sei ein Irrtum. Alle hatten Hortiz Recht gegeben, aber niemand hatte seinem Plan Beachtung geschenkt, einen spanischen Hafen an der atlantischen Küste zu besetzen; dorthin könnten von England und Holland aus Truppen in sechs bis acht Tagen transportiert werden. Aber die große Schwierigkeit bestand darin, daß die Generalstaaten wünschten, Erzherzog Karl solle die Krone Spaniens nicht durch die Vertreibung der Franzosen aus diesem Lande, sondern durch Friedensverhandlungen erlangen; nur so könnten sie von ihm alles verlangen, was sie wünschten, besonders was die katholischen Niederlande betraf. Auch konnten sie in diesen Provinzen ihre Truppen billiger unterhalten, als in Spanien und auf Kosten Frankreichs deren Grenzen erweitern, um ihre Barriere zu verstärken. Marlborough hatte ihnen nachgegeben, um ihnen gefällig zu sein und auf diesem Kriegsschauplatz eine möglichst große Armee zu befehligen, um sich selbst großen Ruhm zu erwerben. Von Leganes, der in Paris, und von Medina-Celi, der in Pamplona verschieden war17), wurde behauptet, sie wären durch Gift gestorben. Hortiz empfahl Erzherzog Karl größte Vorsicht gegenüber einem skrupellosen Gegner 18). Auch Prinz Eugen hatte den Standpunkt Marlboroughs angenommen, sodaß eine Zeit lang das Hauptziel des Krieges, die Eroberung Spaniens, vergessen war. Endlich war es den Seemächten klar, daß die Franzosen aus diesem Lande vertrieben werden müßten. Beständig wiederholte Hortiz den kaiserlichen Ministern seine Ansicht, Österreich müsse in Spanien rasch zur Offensive übergehen, um den Franzosen zuvorzukommen. Einige Tage zuvor hatte er Sinzendorf und Gallas wichtige Meldungen aus Frankreich mitgeteilt: die Franzosen würden bald die Belagerung von Barcelona beginnen, aber er selbst hielt diesen Plan für undurchführbar. Er befürchtete jedoch, die vier österreichischen Infanterieregimenter könnten wegen der Uneinigkeit der Generäle nicht nach Katalonien gesandt werden. Für den baldigen Beginn eines Angriffs gegen 17) Über die Verhaftung und den Tod des Herzogs von Medina-Celi: Baudrillart, S. 397—399. Ein Nekrolog für ihn, C. C. P. E., Mai 1711, S. 361—363. Über den Tod von Leganes: ibidem, April 1711, S. 297. 18) „Por amor de Dios que se tenga cuydado particular con la sagrada persona de Su Magestad, porque aquella gente enemiga de todo el genero humano hará quanto pudiere para saciar su implacable rabia.“