Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 21. (1968)

SPRUNCK, Alphonse: Verteidiger der Interessen Österreichs in den südlichen Niederlanden während des Spanischen Erbfolgekrieges 1709–1714

54 Alphonse Sprunck Frankreich wurden Marlborough und Prinz Eugen täglich in Brüssel er­wartet. Am 26. März schrieb Hortiz an Kurz, er habe durch den Marqués de Melzi, den Hauptpostmeister von Mailand, weitere schlechte Nachrich­ten über die Lage in Katalonien erhalten. Sofort hatte er seine Bitte an Sinzendorf und Gallas wiederholt. Am Tage zuvor hatte er eine lange Unterredung mit Orrery, den die Königin von England zu ihrem Vertreter in der Brüsseler Konferenz ernannt hatte. Zuerst hatte er ihn aufmerk­sam gemacht auf alle Fehler, die die Konferenz der Seemächte schon be­gangen hätte und ihm dann die Gründe erklärt, weshalb die militärischen Operationen in Spanien so wichtig wären19). Orrery versprach, einen schriftlichen Bericht, den Hortiz sogleich verfaßte, der Königin von Eng­land zu übersenden. Sobald Marlborough aus dem Haag nach Brüssel käme, wollte er mit ihm über den nächsten Feldzug reden. Die Fran­zosen behaupteten, sie hätten ihre Armee um mehr als 60 000 Mann ver­stärkt und sie könnten zu gleicher Zeit die Belagerungen von Barcelona, Douai und Brüssel unternehmen. Hortiz hielt diese Behauptungen für Prahlerei20), da die meisten ihrer Truppen nur Knaben21) seien und allgemein angenommen wurde, sie könnten mit ihnen im günstigsten Falle nur ihre Stellungen behaupten. Am 2. April schrieb Hortiz an Kurz, alle Truppen der Verbündeten hätten ihre Garnisonen verlassen; spätestens für den 20. ständen sie an der Kampflinie bereit. Die Franzosen suchten durch Verrat, Schurkereien und Drohungen mit Offensiven ihre Stellungen zu behaupten22). Ein nach England ausgewanderter Franzose, der Marquis de Guiscar, hatte einen Mordanschlag auf die Königin versucht, wovon in den katholischen Niederlanden viel geredet wurde, ebenso von einem Anschlag auf den Prinzen Eugen in Wien durch einen andern Franzosen. Am 13. April ärgerte sich Hortiz in einem Brief an Kurz, daß von den vielen Schreiben, die aus Barcelona angekommen waren, keines an ihn gerichtet war, trotzdem er mehr als jeder andere die genaue Lage in Katalonien kennen mußte. Da Sinzendorf ihm befohlen hatte, nach dem Haag zu kommen, wollte er binnen vier Tagen dorthin abreisen, le) „Provandole con razones incontestables el error, en que hasta aora an estado los Aliados; y que no saldrán de él, aunque aora embiasen socorros a Su Majestad, que no fuesen tan grandes que pudiese hacer con eilos la entera conquista de aquellos Reynos, pues de otra manera solo serviria (como hasta aquí ha sucedido) de augmentar más el fuego de este incendio, que hechan- dole poca agua, se aviva, y hage mayor en lugar de calmarse.“ 20) Gasconadas. 21) Muchachos. 22) „Y aunque amenazan de hager grandes progresos en este ano, no será poco que puedan mantenerse en la defensiva, sino que esperen algun favorable sugeso de las traygiones y maldades que en todas partes del mundo tienen maquinadas para conseguir el logro de sus diabolicos intentos.“

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