Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 21. (1968)

SPRUNCK, Alphonse: Verteidiger der Interessen Österreichs in den südlichen Niederlanden während des Spanischen Erbfolgekrieges 1709–1714

52 Alphonse Sprunck über die andere, die nicht mit hohen Persönlichkeiten korrespondierten, schon lange verfügten. Als echter Hidalgo erklärte Hortiz, er habe seine Geldschwierigkeiten nur deshalb erwähnt, um zu zeigen, wie schlecht die treuen Diener Österreichs belohnt würden. Er bat Kurz, dies Erzherzog Karl nicht mitzuteilen, da er dessen Notlage kannte, und daher seine Bitte um Auszahlung seines Gehaltes auf bessere Zeiten aufschieben wollte; vorläufig wurde er von seinen Freunden für seine notwendigen Ausgaben unterstützt. Die Franzosen verbreiteten die Nachricht, Gerona würde sich bald übergeben. Am 4. Februar schrieb Hortiz an Kurz, diese würden in den Grenz­festungen, besonders in Arras, große Vorräte aufstapeln. Sie glaubten, es sei leicht, den Verbündeten mit einem Angriff zuvorzukommen, da diese erst für den April Truppen anwerben könnten. Besonders die Reihen der Engländer waren stark gelichtet und diese mußten Truppen von weither kommen lassen. Hortiz hatte Sinzendorf und Gallas gebeten, in England, Holland und dem Reich die größten Anstrengungen zu machen, um die Franzosen zu hindern, während des Sommers den Ver­bündeten die Hände zu binden, wie sie es schon früher immer getan hat­ten. Über die Frage, ob die Regimenter, die in den südlichen Niederlan­den im Namen Erzherzog Karls standen, nach Spanien gesandt werden sollten, oder nicht, wurde viel gestritten; ebenso über die Art und Weise, wie sie in diesen Provinzen unterhalten werden könnten, und ob an ihrer Stelle neue sollten angeworben werden. Einige der kaiserlichen Generäle hätten diese Truppen lieber in den katholischen Niederlanden befehligt, andere in Spanien. Hortiz befürchtete, keine Truppen würden dorthin gesandt werden. Jedenfalls war von solcher Uneinigkeit großer Schaden für Österreich zu befürchten; Hortiz hoffte jedoch, der Marqués de Campo könnte in London diese unbegründeten Streitigkeiten regeln. Am 26. Februar schrieb er an Kurz, die Franzosen verbreiteten das Gerücht, in Folge ihrer Siege in Spanien müsse der Erzherzog dieses Land bald auf geben. Zwar hatte er kein Vertrauen in solche Behauptungen, aber sie schadeten dem Ansehen Österreichs sehr viel, um so mehr, als der Staatsrat keinerlei Maßnahmen gegen ihre Verbreitung traf. Die Bra- banter Stände wollten ein Regiment Infanterie aufstellen, unter der Be­dingung, daß es von Offizieren aus ihrer Provinz befehligt würde; Hortiz erwartete von den andern Provinzen Nachahmung dieses guten Beispiels. Marlborough wurde binnen zehn Tagen in Holland erwartet. Auch wur­den in England einige Regimenter für die katholischen Niederlande ein­geschifft. Da Hortiz in schlimmster Geldverlegenheit war, bat er Kurz, dem Erzherzog vorzuschlagen, ihm die Summe von tausend Dublonen für seine Tätigkeit als Sekretär bei der Konferenz von Gertruydenberg zu überlassen; die dortigen Unterhändler waren Österreich treu ergeben gewesen und er selbst hatte einige Freunde unter ihnen.

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