Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 21. (1968)

SPRUNCK, Alphonse: Verteidiger der Interessen Österreichs in den südlichen Niederlanden während des Spanischen Erbfolgekrieges 1709–1714

Verteidiger der Interessen Österreichs in den südlichen Niederlanden 51 Hortiz wünschte, diese wären wenigstens so zahlreich wie die der Regie­rung von Lissabon, damit ihre Generäle diese zwingen könnten, ohne jede Verzögerung, gerne oder ungerne, mit ihnen die Franzosen anzu­greifen. Der Erzherzog war nach der Ansicht Hortiz’ im August 1706 nur deshalb von den Franzosen aus Madrid vertrieben worden, da die Portugiesen nicht wünschten, daß er schon vor dem Friedensschluß Herr von Spanien wäre. Er befürchtete, die Generalstaaten hätten denselben Wunsch. Die Regierung von Lissabon rechnete damit, daß sie auf diese Weise ihre Forderungen auf Ausführung der Versprechen, die die See­mächte ihr gemacht hatten, durchsetzen könnte. Hortiz warnte auch Kurz davor, Ratschläge anzunehmen von Intriganten, die nur an ihre Inter­essen dachten, für die sie vom Erzherzog bessere Unterstützung erwarte­ten, als von seinem Gegner. Er bat ihn auch, ihm alle wichtigen Nach­richten zukommen zu lassen. Am 19. Januar schrieb Hortiz an Kurz, die Franzosen würden große Vorbereitungen für einen neuen Feldzug treffen. Zur Abwehr eines An­griffs war höchste Eile notwendig, da Ludwig XIV. sich durch besondere Steuern viel Geld verschafft hatte15). Da Valsasine sehr leidend war, war die Ernennung eines andern Bevollmächtigten für die Friedensver­handlungen dringend nötig. Sehr bekümmert war Hortiz wegen der Un­zufriedenheit eines großen Teils der einheimischen Bevölkerung der katho­lischen NiederlandeI6). Die kaiserlichen Truppen hatten am 10. Januar einen Erfolg in Spanien errungen. Am 26. schrieb Hortiz an Kurz, Sin- zendorf und Gallas hätten ihre Forderung auf Entsendung von Truppen nach diesem Lande durchgesetzt; die Seemächte hätten ihren Irrtum ein­gesehen, sie könnten Spanien durch Siege in den südlichen Niederlan­den und Nordfrankreich erobern. Vorher hatten viele ihrer Staatsmänner angenommen, es sei vorteilhafter für ihre Länder, wenn Erzherzog Karl erst durch den Friedensvertrag König von Spanien würde. Zwei holländische Mitglieder der Brüsseler Regierungskonferenz weil­ten seit zwei Monaten in London. Cadogan war seines Sitzes in dieser Be­hörde enthoben worden. Eine Besserung der Lage war durch die Um­änderung des Staatsrates nicht zu erwarten. Für seine hohen Ausgaben, die Hortiz für seine Reisen nach dem Haag und besonders für seine Aufenthalte in dieser Stadt gemacht hatte, hatte er keine Entschädigung erhalten. Für seine Briefe hatte er durch Sinzendorf wenigstens Portofreiheit erlangt, 15) Einzelheiten über die finanziellen Maßnahmen Ludwigs XIV.: C. C. P. E., Juni 1709, S. 377 und Mai 1710, S. 307. 16) „No sabré ponderar a Vuestra Merced la melancolia que me causa el verla gran multitud de descontentos, y mal affectos que ay en todos estos payses, y la tolerancia que el governo tiene con eilos, sinque les dé el menor castigo, ni aun reprehension, de los excesos y aun sediciones, que promueven publicamente, antes bien los remunera con empleos en preferencia y notorio perjuicio de los verdaderamente apasionados y zelosos del servicio de Su Magestad.“ 4*

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