Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 21. (1968)
SPRUNCK, Alphonse: Verteidiger der Interessen Österreichs in den südlichen Niederlanden während des Spanischen Erbfolgekrieges 1709–1714
50 Alphonse Sprunck schritte, während die Forderungen um Frieden immer lauter wurden 13). Aber Österreich war im Besitz von Sardinien, des Herzogtums Mailand und des Königreiches Neapel, die die Verbündeten Philipp von Anjou überlassen könnten; wichtiger für sie war, daß Erzherzog Karl im Besitz von Sizilien blieb, sodaß er trotzdem Aussicht hatte, König der gesamten spanischen Monarchie zu werden. Die Regentschaft von Barcelona hatte vier Deputierte nach den niederländischen Provinzen gesandt, die ihr Geld verschaffen sollten, um Brot für die kaiserlichen Truppen zu kaufen. Auch sollten'sie Schwierigkeiten zwischen der Konferenz der Seemächte und dem Staatsrat ausgleichen. Hortiz erwartete keinen Erfolg von dieser Sendung, da in beiden Räten die größte Uneinigkeit herrschte; nur dann waren ihre Mitglieder einig, wenn es galt, dem Erzherzog und der armen einheimischen Bevölkerung Hilfe zu verweigern. Nach dem gänzlichen Mißerfolg ihrer Bemühungen um Frieden kamen die französischen Unterhändler d’Huxelles und Polignac am 29. Juli 1710 in Paris an 14). Von Verhandlungen zwischen Frankreich und den Generalstaaten war vorläufig keine Rede mehr. Für die Zeit vom 27. Juni 1710 bis zum 15. Januar 1711 sind keine Briefe von Hortiz erhalten. Kellers starb in der Zwischenzeit. Sein Nachfolger in Barcelona wurde Francisco Andrés Kurz, der Hortiz seine Ernennung am 30. November 1710 mitteilte. Dieser versprach ihm am 15. Januar 1711, ihm in derselben Weise wie seinem Vorgänger Berichte über die Lage in den katholischen Niederlanden zukommen zu lassen. Gleich zu Beginn wiederholte er seine Klagen über die Mißwirtschaft und die Willkür einer Regierung, die die Seemächte ohne Rücksicht auf die Interessen Österreichs eingesetzt hatten; die getreuen Untertanen Erzherzog Karls, die von ihnen als Bewohner eines eroberten Gebietes behandelt wurden, gerieten darüber in Verzweiflung, ohne daß eine Möglichkeit bestand, ihnen auf irgendeine Weise zu helfen. Durch die Franzosen hatte Hortiz Meldungen über ihre Teilerfolge in Spanien erhalten. Er hatte sie sofort Gallas, Sinzendorf und Zinzerling mitgeteilt, damit sie auf die rasche Entsendung von Truppen aus England und Holland nach Katalonien drängen sollten. Er glaubte, holländische Schiffe seien schon auf dem Wege, um sich in Portsmouth mit englischen zu vereinigen, die bereit waren, Truppen nach Portugal zu bringen. 13) Die Artikel über die Kriegsmüdigkeit in England und Holland sind in der C. C. P. E. sehr zahlreich. 14) Redlich, S. 210. — Die Generalstaaten veröffentlichten am 27. Juli ein Manifest, in dem sie ihre Haltung gegenüber Ludwig XIV. begründeten, hauptsächlich mit der Bemerkung, französische Truppen hätten Spanien nach dem Tode Karls II. besetzt. C. C. P. E., September 1710, S. 206—208. Auf den folgenden Seiten veröffentlichte dieses Blatt den Brief eines Flamen, der behauptete, die Holländer wollten sich auch der katholischen Niederlande sowie des Handels mit den amerikanischen Kolonien bemächtigen.