Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 21. (1968)
SPRUNCK, Alphonse: Verteidiger der Interessen Österreichs in den südlichen Niederlanden während des Spanischen Erbfolgekrieges 1709–1714
Verteidiger der Interessen Österreichs in den südlichen Niederlanden 49 Am 23. Mai schrieb Hortiz an Kellers, die Vertreter Ludwigs XIV, die Gertruydenberg am 19. verlassen sollten, hätten Befehl erhalten, zu bleiben und neue Vorschläge zu machen, die ihnen durch Kommissäre mitgeteilt würden. Deren Ankunft wurde für jeden Tag erwartet. Obwohl allgemein angenommen wurde, daß ihre Angebote nicht ernst zu nehmen seien, glaubte Hortiz, Ludwig XIV. müsse bald Frieden schließen, da Douai und Arras bald eingenommen würden. In Spanien war die unzuverlässige Haltung eines Teils des Adels für die Franzosen Grund zur Besorgnis. Von London hatte Gallas seinen Entschluß mitgeteilt, die Stelle eines Bevollmächtigten Erzherzog Karls nicht anzunehmen, und ihn auch ganz umständlich begründet. Hortiz wollte dazu bemerken, daß kein anderer für diese Stellung so geeignet wäre, da Gallas über eine genaue Kenntnis der Lage und gute Beziehungen zu den Engländern und Holländern verfügte. Am 25. Mai schrieb Hortiz an Kellers, Sinzendorf habe die Ausarbeitung eines Planes für die zukünftige Regierung der katholischen Niederlande aufgeschoben. Zu den vielen Dokumenten, die Hortiz ihm zur Verfügung gestellt hatte, hatte Sinzendorf auch nach anderen gefragt, die er ihm aber nicht anvertrauen wollte. Zwei holländische Delegierte sollten sich am folgenden Tage nach Gertruydenberg zu den Franzosen begeben. Die Verhandlungen mit diesen kamen nicht vorwärts, da sie immer noch auf ihrem vorigen Standpunkt beharrten und für den Herzog von Anjou Sardinien, Sizilien und die Festungen an der Küste von Toskana forderten. Daher hatte Sinzendorf die Ausarbeitung seines Planes aufgeschoben und Hortiz verboten, nach Brüssel zu reisen. Am 7. Juni gab Hortiz dem Marqués de Campo, der nach Barcelona abreiste, einen eigenen Entwurf für die zukünftige Regierung der niederländischen Provinzen mit. Sinzendorf hatte die Interessen des Erzherzogs stets geschickt und energisch verteidigt; dennoch hielt es Hortiz für notwendig, sofort einen Bevollmächtigten zu ernennen, da in den Verhandlungen jederzeit ein Umschwung eintreten konnte. Am 27. Juni schrieb Hortiz an Kellers, er möge in Zukunft ihm persönlich alle nötigen Anweisungen für sein Verhalten geben, damit er keinen andern darum bitten müsse. Auf viele wichtige Berichte hatte er, zum Schaden Österreichs, keine Antwort erhalten. Die französischen Kommissäre hatten behauptet, Ludwig XIV. habe seinem Enkel gedroht, einen Sonderfrieden mit den Verbündeten zu schließen, wenn er sich weigerte, Spanien zu verlassen12); auch würde er sie für einen längeren Krieg in diesem Lande mit Geld unterstützen. Da diese Versprechen aber nicht ernst genommen wurden, machten die Verhandlungen keine Fort12) Baudrillart, S. 393. — Torcy hatte am 26. März dem königlichen Rat vorgeschlagen, von den Verbündeten Neapel und Sizilien für Philipp von Anjou zu verlangen; sollte er diesen Vorschlag nicht annehmen, müßte Ludwig XIV. ihm den Krieg erklären. Mitteilungen, Band 21 4