Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 21. (1968)

SPRUNCK, Alphonse: Verteidiger der Interessen Österreichs in den südlichen Niederlanden während des Spanischen Erbfolgekrieges 1709–1714

48 Alphonse Sprunck sollte deshalb suchen, ihn sofort durch die Vermittlung eines Freundes zu erhalten, da er ihn sicherlich nach Friedensschluß beibehalten könne 9). Am 24. April sandte Merode-Westerloo an Kellers die Abschrift eines Briefes, den er von einem seiner Freunde aus Leyden erhalten hatte, samt seiner Antwort darauf; er rechnete damit, der Erzherzog würde diese billigen. Der Holländer hatte ihm mitgeteilt, er habe durch Petkum er­fahren, die Ankunft eines Kuriers aus Versailles würde für die nächsten Tage erwartet. Sinzendorf, der lange mit dem Schreiber des Briefes geredet hatte, hatte versucht, ihn zu überzeugen, man müsse die Vor­schläge der Franzosen annehmen, da es dann leicht wäre, Philipp von Anjou aus Spanien zu vertreiben; aber viele Mitglieder der Haager Re­gierung, auch Heinsius, wollten nicht, daß Frankreich sofort die Wohl­taten des Friedens genieße, und befürchteten in diesem Falle einen Um­schwung der Lage in Spanien. In der Haager Regierung war mit langen Debatten über diese Frage zu rechnen. In dem Antwortschreiben erklärte Merode-Westerloo seinem hollän­dischen Freunde, zwar erwarte er nicht, daß der letzte Kurier aus Ver­sailles eine befriedigende Antwort mitgebracht habe, doch würde die letzte Niederlage der Franzosen bei Lens ihre Wirkung nicht verfehlen. Für ihn war es unverständlich, wie kaiserliche Minister daran denken konnten, Österreich allein könne Krieg gegen Spanien führen. Wenn Philipp von Anjou das ganz erschöpfte und ruinierte Spanien verlassen müßte, würde ihm Ludwig XIV. bestimmt raten, sich nach Südamerika zurückzuziehen; in dem Falle müsse die Wiener Regierung mit weitern Schwierigkeiten rechnen. Von Heinsius erwartete Merode-Westerloo mehr Verständnis für solche wichtige Fragen, als von den Vertretern des Kaisers 10 *). Merode- Westerloo wünschte weitere Nachrichten über die Angebote, die der Ver­sailler Kurier überbracht hatte. Er bat seinen Freund, in seinem Heimat­lande die Partei zu unterstützen, die keinen Frieden mit Ludwig XIV. wollte, so lange Philipp von Anjou Spanien nicht verlassen würde. Frank­reich habe nur zum Schein auf seine ehrgeizigen Pläne verzichtet u). 9) Merode-Westerloo hatte schon 1706 damit gerechnet, Gouverneur dieser wichtigen Festung und Provinz zu werden. 10) „Je loue Dieu dans mon hermitage de ce que Monsieur le grand Pen- sionaire est plus sage que tous nos ministres Autrichiens, et j’espére en Dieu qu’il supléera ä leurs foiblesses et que le sage et bon party dans votre Ré- publicque conservera le dessus, je le souhaite non seulement pour notre pauvre Monarchie, qui n’at plus d’hommes; mais aussi pour le soutient et conser­vation de votre République, qui étante parvenue au haut point oü eile est doit se précautionner pour que la paix ne luy sóit pas plus nuisible, que la guerre présente.“ u) „Car tout cela seroit faire une paix bien plus mauvaise que touttes les précédentes, qui n’ont eués que les apparences de paix, et n’ont jamais étées en effect qu’un acheminement aux Idées que la France n’abandonne pas en­core á ce que nous voyons par les propositions qu’elle nous fait et la conduite qu’elle tient.“

Next

/
Oldalképek
Tartalom