Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 21. (1968)
SPRUNCK, Alphonse: Verteidiger der Interessen Österreichs in den südlichen Niederlanden während des Spanischen Erbfolgekrieges 1709–1714
Verteidiger der Interessen Österreichs in den südlichen Niederlanden 47 sehen Monarchie zu überlassen. Zu diesem Zweck behaupteten sie, er habe starke Streitkräfte in Spanien, deren Vertreibung den Krieg um viele Jahre verlängern würde. Die Emissäre und die zahlreichen Anhänger Frankreichs in den niederländischen Provinzen redeten in demselben Sinne. Sinzendorf und Marlborough empfahlen den Generalstaaten große Festigkeit und Vorsicht gegenüber den Franzosen. Die Absendung von Verstärkungen nach Katalonien würde viele Schwierigkeiten beseitigen. Da Prinz Eugen am 20. März von Wien abgereist war, wurde seine Ankunft jeden Tag erwartet7). Hortiz erwartete für die nächste Zeit einen neuen Feldzug gegen Frankreich. Sinzendorf hatte er einen Plan für die Bildung einer Regierung der niederländischen Provinzen überreicht; für diese Arbeit hatte er die Papiere von Quiros benutzt. Die Truppen der Verbündeten hatten die starken Stellungen der Franzosen zwischen Lille und Douai ohne Widerstand durchbrochen. Französische Truppen, die schon auf dem Marsch aus Nordfrankreich nach Spanien waren, waren zurückberufen worden. Hortiz erwartete nunmehr das Ende des Krieges für das laufende Jahr. Er wollte bei Sinzendorf im Haag verbleiben, bis die Vertreter Ludwigs XIV. diese Stadt verlassen hätten, da jeden Tag ein Umschwung in den Verhandlungen eintreten könnte. Am 9. Mai schrieb Hortiz an Kellers, die Generalstaaten hätten beschlossen, die Verhandlungen von Gertruydenberg abzubrechen8). Der Großpensionär Heinsius und ihre Vertreter van der Dussen und Buys hatten den Auftrag erhalten, den Franzosen diesen Beschluß mitzuteilen. Aber Hortiz befürchtete, diese könnten Vorwände finden, um noch länger zu bleiben; auch könnten französische Emissäre Österreich großen Schaden zufügen, wenn sie nicht durch Sinzendorf und andere Bevollmächtigte der Verbündeten in Schach gehalten würden. Graf Valsasine hatte wegen seiner schlechten Gesundheit die Stelle eines Bevollmächtigten Erzherzog Karls nicht angenommen. Ein schwerer Fehler war begangen worden, als man ihn nicht um seine Einwilligung fragte, da deshalb kein anderer diese Stelle hoch einschätzen würde. Auch Graf Gallas, der sie nach ihm erhalten hatte, wünschte schon, ihrer ledig zu werden. Um diese Zeit hatte Merode-Westerloo von van den Bergh erfahren, es sei zwar ungewiß, was nach dem Krieg mit den Provinzen Namur und Luxemburg geschehen würde, doch würden sie ganz bestimmt Erzherzog Karl überlassen werden, falls die Holländer in den beiden Städten keine Garnisonen unterhalten wollten. Merode-Westerloo, der schon seit Jahren an den Posten eines Gouverneurs der Provinz Luxemburg gedacht hatte, 7) Prinz Eugen hatte sich vorher nach Berlin begeben. Arneth S. 216. 8) Über den Abbruch der Verhandlungen von Gertruydenberg: Legrelle, S. 571 f. Über den Eindruck, den dieses Ereignis in Frankreich machte: Braubach, 2. Band, S. 296.