Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 21. (1968)

SPRUNCK, Alphonse: Verteidiger der Interessen Österreichs in den südlichen Niederlanden während des Spanischen Erbfolgekrieges 1709–1714

46 Alphonse Sprunck holländischen Kommissären empfehlen, für die Überlassung aller Kost­barkeiten und Kunstwerke im königlichen Palast in Madrid Sorge zu tra­gen. Für solche, die schon verkauft waren, müsse der Versailler Hof Entschädigung bezahlen; eine solche Bedingung müsse jedenfalls in die Friedenspräliminarien aufgenommen werden. Mehrmals hatte Hortiz die Vertreter Englands und der Generalstaaten gebeten, Erzherzog Karl einen Teil der Subsidiengelder der Provinzen, die in Brüssel zu unnützen Ausgaben verwendet wurden, zukommen zu lassen. Aber er hatte nichts erreicht als schöne Worte und Ausdrücke des Bedauerns, daß der Krieg soviel Geld koste. Van den Bergh, den Hortiz als einen treuen und ergebenen Diener Österreichs ansah, hatte ihm erklärt, in nächster Zeit könnten die Generalstaaten dem Erzherzog Geld auf Zinsen auf seine Domänen leihen. Hortiz hatte den Vor­schlag abgelehnt mit der Begründung, der Erzherzog erhalte aus seinen andern Staaten Geld genug. Mit dieser Erklärung gab sich van den Bergh zufrieden. Am 13. März schrieb Hortiz an Kellers, zwar glaube die öffentliche Meinung nicht an einen baldigen Frieden, aber Frankreich könne den Krieg nicht mehr länger fortsetzen. Am meisten freute ihn die Einigkeit der Verbündeten in der Forderung, der Herzog von Anjou müsse auf die ganze spanische Monarchie verzichten. Zu dieser Haltung trug die per­sönliche Anwesenheit Marlboroughs im Haag viel bei. Am 18. März bat Hortiz Kellers um weitere Anweisungen für Sinzendorf. Die Rückkehr des Kuriers von Versailles wurde für jeden Augenblick erwartet. Aus den südlichen Niederlanden kamen zahlreiche Männer nach dem Haag, um Stellungen zu erbitten, gleichsam als ob sie schon einen Monarchen hätten. Am 19. März schrieb Hortiz an Kellers, er wolle an seine Freunde und Verwandten nach Santona 5) schreiben; diese könnten gute Dienste lei­sten, falls die Verbündeten dort einen Angriff unternehmen wollten. Der Kurier von Versailles war am 27. März in Gertruydenberg ange­kommen; Sinzendorf allein konnte Auskunft geben über die Ergebnisse der Verhandlungen6). Am 2. April schrieb Hortiz an Kellers, am Tage zuvor sei der zweite Kurier von Versailles zurückgekehrt. Er befürchtete, die Franzosen wollten die Verhandlungen möglichst in die Länge ziehen, um ein für sie günstiges Ereignis abzuwarten. Vorläufig hatten sie noch nichts getan, als den Generalstaaten große Zugeständnisse anzubieten, um sie zu bewegen, dem Herzog von Anjou einen großen Teil der spani­5) Eine Kleinstadt in Altkastilien. 6) Über diese Verhandlungen: Legrelle 538 f., Arneth, 116 f. — Nach Be­richten der C. C. P. E. vom Mai 1710, S. 350 wurden damals in Holland Flug­schriften gegen die Friedensverhandlungen veröffentlicht. Die Holländer be­haupteten, Marlborough suche mit allen Mitteln den Krieg zu verlängern. Ibi­dem, S. 271.

Next

/
Oldalképek
Tartalom