Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 21. (1968)

SPRUNCK, Alphonse: Verteidiger der Interessen Österreichs in den südlichen Niederlanden während des Spanischen Erbfolgekrieges 1709–1714

Verteidiger der Interessen Österreichs in den südlichen Niederlanden 43 von den Engländern und Holländern jeder nur auf seine persönlichen Vorteile bedacht war. Die Generalstaaten hatten an den Kaiser geschrie­ben, er möge ihnen Prinz Eugen für Ende Februar schicken. Die Vorbe­reitungen für einen weiteren Feldzug waren auf beiden Seiten in vollem Gange, aber Hortiz glaubte noch immer, Ludwig XIV. würde versuchen, Frieden zu schließen. Quiros und Hortiz hatten sich vergebens bemüht, für Österreich die Konfiskation aller Güter der Vasallen des früheren Königs von Spanien, die für Frankreich Partei ergriffen hatten, durch­zusetzen. Vielleicht würden die Generalstaaten nunmehr einwilligen, da in Frankreich alle Güter von Untertanen der feindlichen Staaten be­schlagnahmt worden waren. Aber er mußte mit Einwänden jener rechnen, die befürchteten, ihren Besitz in Frankreich zu verlieren, trotzdem dieser nach der Einnahme von Menin, Lille und Tournai sehr gering war im Verhältnis zu dem der Franzosen in den katholischen Niederlanden. Die Brabanter Bevölkerung war sehr unzufrieden über die hohen Kosten, den der längere Aufenthalt der Deputierten ihrer Stände im Haag verursachte. Trotz der Unterstützung durch Marlborough konnten sie nichts erreichen, da die Generalstaaten zuerst die Barrierefrage und andere An­gelegenheiten, die ihnen näher standen, erledigen wollten. Hortiz hatte auch Sinzendorf erklärt, daß die Proklamation Erzherzog Karls zum Herrscher der südlichen Niederlande vorläufig nicht angebracht wäre. Mehrere Personen, die eingekerkert worden waren, weil sie im vorigen Jahre bei der Einnahme von Gent mit den Franzosen gemeinsame Sache gemacht hatten, waren in Freiheit gesetzt und amnestiert worden. Sicher­lich hatten sie diese Gunst durch Bestechung erlangt. Einerseits mußten die Befehle an die Stände von Limburg wegen Abzahlung ihrer Schuld an die Erben Quiros’ wiederholt werden, andererseits war es besser, der Gefahr einer Gehorsamsverweigerung gegenüber Erzherzog Karl aus­zuweichen. Besonders ärgerte sich Hortiz über die Bestechung bei der Verleihung von Ämtern, die ihm selbst die Befürwortung von Männern, die der Erz­herzog ihm empfohlen hatte, unmöglich machte37); so lange dieser nicht tatsächlicher Herrscher der niederländischen Provinzen war, wollte er dessen Autorität nicht der Gefahr einer Mißachtung aussetzen. Am 6. Januar 1710 sandte er an Kellers ein gedrucktes Exemplar der Friedens­vorschläge Ludwigs XIV., auf die die Seemächte schon geantwortet hat­ten. Noch immer war er überzeugt, daß Frankreich bald Frieden schließen müsse. Die Vertreter der Brabanter Stände waren ohne jeden Erfolg aus dem Haag zurückgekehrt; Hortiz hatte ihre Handlungsweise nie gebilligt, weil die Einheimischen, die im Staatsrat und in der Verwaltung der 3?) „Aqui estan zerradas las puertas a los que no tienen llabes de oro para abrirlas, e grandes favores con los diputados y ministros del Consexo de Estado, quienes disponen de todo a su fantasia sin atender a meritos, y mucho menos a quanto pueda ser del agrado y servicio de S. M.“

Next

/
Oldalképek
Tartalom