Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 21. (1968)

ZAUNER, Alois: Die Pfarrarchive Oberösterreichs

Rezensionen 497 der kulturelle Aufstieg der Städte während der Reformation erklären die hohe Bedeutung des protestantischen Schultheaters, geübt einerseits an der Landschaftschule in Linz, andererseits in überragender Weise betrieben in Steyr. Das katholische Schultheater in den Klöstern des Landes tritt dem­gegenüber deutlich in den Hintergrund, während sich für die Ausbrei­tung des Meistergesanges in Oberösterreich kaum Belege finden lassen. Beherrschend für das 17. Jahrhundert — präzise gesagt für die Jahre nach Erlaß des Reformationsediktes durch Kaiser Ferdinand II. (1624) — ist das Ordenstheater. Aber nicht nur die Gründungen von Jesuitenkolle­gien in Linz (1600) und Steyr (1630) trieben den Ausbau und die Intensi­vierung des Theaters voran: das Zentrum des oberösterreichischen Barocktheaters ist im Benediktinerstift Kremsmünster zu suchen. In der überlegenen Gestalt Simon Rettenpachers (1634—1706), des hochbegabten Barockdramatikers, erlebte Kremsmünster seine Blütezeit, und die Feier­lichkeiten zum 900-jährigen Bestand des Stiftes gaben Rettenpacher Gele­genheit, die Geschichte Kremsmünsters seit seiner Gründung in einem umfangreichen Schauspiel auf die Bühne zu bringen. Mit Recht schreibt Sturm den glanzvollen Opern- und Ballettauffüh­rungen unter Kaiser Leopold I. in Linz eine „Nebenrolle“ zu, handelt es sich ja nicht um spezifisch oberösterreichische Darbietungen, sondern um „Exilereignisse des Wiener Hoftheaters“ (S. 138), wenn der Herrscher we­gen der Wiener Pestepidemien (1680/81 und 1684) und der Türkenbela­gerung (1683) gezwungen war, seine Residenz nach Linz zu verlegen. Die Tätigkeit von Wandertruppen läßt sich nur in Linz nachweisen: während aber die Commedia dell’arte-Truppen sich nur an die höfischen Schichten wandten (die erste italienische Truppe, die in Österreich zu belegen ist, spielte 1568 in Linz) bildeten Kaufleute und Bürger, die zu den Jahrmärkten zusammenströmten, das Publikum für die englischen und deutschen Schauspieltruppen. Im letzten Abschnitt widmet sich Sturm den „einfachen“ und „ausgebildeten“ Volksschauspielen im Mühlviertel und Salzkammergut, die als Sommer- und Winterspiele, als Paradeis-, Weih- nachts-, Krippen- und Passionsspiele überliefert sind. Wenn das Ergebnis dieser Arbeit nicht ganz befriedigen kann, so liegt dies nicht an einigen Flüchtigkeitsfehlern — in der Hauptsache bei historischen Angaben — die an dieser Stelle berichtigt werden dürfen: es geht nicht an, den Theologen und Historiographen Thomas Ebendorfer unter den Gelehrten aus Oberösterreich aufzuzählen (S. 31/32), wenn der Wiener Universitätsprofessor aus Niederösterreich stammte. Nicht Kaiser Ferdinand I. (S. 47) verweigerten die oberösterreichischen Stände die Erb­huldigung, sondern Kaiser Ferdinand II. ersuchte auf diese Tatsache hin Herzog Maximilian von Bayern um Unterstützung. Die „Innspruckischen Hof-Comoedianten“, die 1633 in Linz spielten, können auf keinen Fall aus der Hoftruppe hervorgegangen sein, die Erzherzog Sigismund Franz aus Ersparungsgründen entlassen hatte, da der letzte Vertreter der jüngeren tirolischen Linie erst 1662 zur Regierung gelangte. Das 1594 gedruckte Drama des Georg Calaminus wird auf S. 52 unter der Bezeichnung „Rudolf- ottocarus“, auf S. 53 jedoch als „Rudolphottocarus“ angeführt. Der Ter­minus „Ikonographie“ für die Nennung der bildlichen Theaterüberliefe­Mitteilungen, Band 21 32

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