Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 21. (1968)
ZAUNER, Alois: Die Pfarrarchive Oberösterreichs
496 Literaturberichte Albert Sturm, Theatergeschichte Oberösterreichs im 16. und 17. Jahrhundert. (Österreichische Akademie der Wissenschaften, Kommission für Theatergeschichte Österreichs: Theatergeschichte Österreichs 1, Heft 1.) Hermann Böh- laus Nachf., Graz—Wien—Köln 1964. 190 Seiten, 12 Abb. Die Kommission für Theatergeschichte Österreichs an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften hat sich die Aufgabe gestellt, in einer Reihe von Einzelpublikationen Auftreten und Entwicklung des Theaters in den österreichischen Bundesländern darzustellen. Jeder Rezensent, der selbst nicht Theaterwissenschaftler, sondern Historiker ist, wird vor allem den Grundsatz begrüßen, alles theatralische Leben in Österreich von den Quellen her neu aufzurollen: ein Zurückgreifen auf alle erreichbaren, ursprünglichen, d. h. zeitgenössischen schriftlichen Zeugnisse schafft die Grundlage für eine erschöpfende Geschichte des österreichischen Theaterwesens. Als erster Band dieser Serie erschien die aus einer Dissertation hervorgegangene Untersuchung Sturms über das oberösterreichische Theater im Zeitalter der Reformation, Gegenreformation und des frühen Barock. Ergänzend sei vermerkt, daß inzwischen Abhandlungen über das Theater im östlichen Tirol und — in Fortsetzung der Arbeit Sturms — in Oberösterreich während des 18. Jahrhunderts gefolgt sind. Für den interessierten Laien, für alle Leser, deren Fachgebiet nicht die Theaterwissenschaft ist — auch die Rezensentin rechnet sich zu dieser Schar — gilt es, sich von dem modernen Begriff „Theater“ als einer abendlichen „Ergötzlichkeit“, bei der womöglich die Eindrücke der Inszenierung und der Ausstattung die entscheidenden sind, zu lösen: die Kirch- raumspiele des Mittelalters böten dem Menschen des 20. Jahrhunderts wenig optisch Überwältigendes. Ja, es ist sogar notwendig, für bestimmte Variationen des Theaters die Schillersche Definition vom Theater als moralischer Anstalt zu vergessen. Sturm hebt hervor, daß z. B. das Schultheater der großen Orden im 17. Jahrhundert den Zweck verfolgte, Benehmen und Auftreten der schauspielenden Schüler zu vervollkommnen. Berücksichtigt man aber die stets sich wandelnde Zielrichtung des Theaters, so ist man überrascht, welche Fülle an Ausdrucksformen durch die Forschungen Sturms selbst für ein relativ kleines Land feststellbar sind. Der Autor gibt zur Einführung einen kurzen Überblick über das Theater Oberösterreichs vor der Reformation, dessen Nach- und Weiterwirken für das 16. und 17. Jahrhundert nicht übersehen werden darf: in den Dreikönigs- und Osterfeiern, den Marienklagen und Legendenspielen sind für das Mittelalter, im Linzer „Ludus Dianae“ für den Humanismus wichtige Marksteine für die Geschichte des Theaters nicht nur in Oberösterreich erhalten. Für alle weiteren Kapitel hat der Verfasser es sich zum Prinzip gemacht, vor der Besprechung der theatralischen Ereignisse den geschichtlichen Hintergrund aufzuzeigen (für das 16. Jahrhundert stehen ihm hiezu die „Studien zur Reformationsgeschichte von Oberösterreich“ von Karl Eder zur Verfügung), da das Theater stets aufs engste mit politischem und sozialem Geschehen verbunden ist. Dieser zweifellos richtige Gedanke Sturms trägt wesentlich zum Verständnis der mannigfaltig sich ändernden Erscheinungsformen des Theaters bei. Die mächtige Stellung des Adels und