Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 21. (1968)

ZAUNER, Alois: Die Pfarrarchive Oberösterreichs

Rezensionen 495 herzog Ferdinands bestimmt. Er und seine Räte förderten durch falsche Versprechungen, Bestechung und Täuschung die Spaltung innerhalb der Bauern, bis die Niederschlagung des Aufstandes im Allgäu auch der Regie­rung in Innsbruck mehr Handlungsfreiheit verschaffte. Zunächst wurde eine diplomatische Lösung bei beiderseitiger Waffen­ruhe versucht. Die Verhandlungen auf dem Innsbrucker Bauernlandtag im Juni/Juli 1525 bedeuteten jedoch trotz der infolge des Salzburger Bauern­aufstandes günstigen Situation einen Wendepunkt für die ganze Bewe­gung. Die bald einsetzende Radikalisierung rechtfertigte letzten Endes die Gewaltmaßnahmen der Regierung und führten zu deren Sieg im ganzen Land. Gaismair, dem die Flucht aus dem Gefängnis in Innsbruck gelungen war, gelangte schließlich nach Graubünden und nach Zürich, wo er sehr enge Beziehungen zu Zwingli unterhielt. Unter dessen Einfluß entstand in der Emigration in der Schweiz Gaismairs Neue Landesordnung für Tirol, ein politisches und wirtschaftliches Programm mit kommunistischen Zügen. Der Tiroler Rebellenführer stimmte seine weiteren politisch-militäri­schen Pläne mit der allgemeinen Entwicklung ab, die die Tendenz zu einem großen internationalen Angriff gegen die Habsburger zeigte. Unter diesen Voraussetzungen ist sein Einfall in Tirol und seine Beteiligung am Bau­ernkrieg im Pinzgau zu beurteilen. Die Belagerung von Radstadt durch das Bauernheer endete zwar mit einem Mißerfolg, doch errang Gaismair dann im Paß bei Mandling einen Sieg. Seine Rückkehr nach Tirol brachte ihm jedoch eine herbe Enttäuschung: seine revolutionäre Agitation blieb bei den Untertanen ohne Wirkung, es kam zu keinem Aufstand mehr und Gaismair mußte sich mit seinen Truppen auf venezianisches Gebiet zurück­ziehen. M. schildert auch noch ausführlich die letzten Jahre im venezianischen Exil. Die positive Beurteilung der städtischen Demokratie Venedigs (S. 433 ff.) ist m. E. zumindest übertrieben. Als Todfeind Habsburgs hat die Stadt allerdings gewiß sehr gern Gaismair Unterschlupf gewährt. Er hat trotz der fortgesetzt drohenden Mordanschläge ungebrochen seine Pläne weiter verfolgt, bis er schließlich den gedungenen Agenten Ferdi­nands zum Opfer fiel. Erst mit dem Meuchelmord an Gaismair hält der Verf. den deutschen Bauernkrieg für abgeschlossen und geht damit über die gebräuchliche Terminisierung hinaus. Das Werk schließt mit einem imponierenden Quellen- und Literaturverzeichnis und dem üblichen Register. Das Buch ist dank der lebendigen Erzählung gut lesbar, zumal auch die deutsche Bearbeitung sich durch einen flüssigen Stil auszeichnet. Letztlich aber zeigt diese Arbeit, was für uns in Österreich noch alles zu tun ist. Möge sie zu bodenständigen Studien Anlaß geben über die Sozialgeschichte der österreichischen Bauern und der städtischen Bevölkerung besonders auch im Mittelalter. Gerade auf sozialgeschichtlichem Gebiet wären in Öster­reich noch viele Lücken zu schließen. Rudolf Neck (Wien)

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