Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 21. (1968)
ZAUNER, Alois: Die Pfarrarchive Oberösterreichs
494 Literaturberichte ren, sollten sie veranlassen, mit dem gleichen intensiven Interesse an eine Fortsetzung für die in diesem Rahmen weniger eindringlich behandelten Kapitel zu denken. Christiane Thomas (Wien) Josef M a c e k, Der Tiroler Bauernkrieg und Michael Gaismair. Deutsche Ausgabe besorgt von R. F. Schmiedt. VEB Deutscher Verlag der Wissenschaften, Berlin 1965. 523, 7 Karten. Der deutsche Bauernkrieg von 1524 bis 1526 hat seit Friedrich Engels’ Studie für die marxistische Geschichtsforschung und Geschichtsschreibung immer eine große Bedeutung gehabt. Die Beschäftigung mit dieser ausgebreiteten revolutionären Bewegung hat z. T. zu sehr fruchtbaren Ergebnissen geführt. Die vorliegende, umfassende Arbeit des tschechoslowakischen Historikers über den Tiroler Bauernkrieg und seinen genialen Führer Michael Gaismair ist in diesen Zusammenhang einzuordnen. Die deutsche Ausgabe des Werkes ist sehr zu begrüßen, da M. nicht nur wegen der Beziehungen der Tiroler Rebellen zu den mährischen Brüdern auf dieses Thema kam, sondern auch durch umfangreiche Archivstudien im ehemaligen Fürstlich Thun-Hohensteinschen Archiv in Teschen, wo, wie man schon seit mehr als fünfzig Jahren wußte, wesentliche Unterlagen über den Tiroler Bauernkrieg verwahrt wurden. Der Verf. hat weitere ausgiebige Archivstudien in den öffentlichen Archiven von Innsbruck, Wien, Bozen, Trient und Venedig durchgeführt und seinen Gegenstand quellenmäßig ganz hervorragend untermauert. Die Biographie Gaismairs hat er darstellungsmäßig in der allgemeinen sozialen und politischen Geschichte des Zeitraumes eingebettet. M. beginnt mit einer ausführlichen Schilderung der historischen Gegebenheiten, namentlich der besonderen verfassungsrechtlichen Stellung des Tiroler Bauerntums und seiner sozialen und wirtschaftlichen Situation. Daß dabei mit den klassenkämpferischen Kategorien des Marxismus operiert wird, ist in diesem Zusammenhang keineswegs von Nachteil. Ein Mangel des ganzen Werkes besteht jedoch darin, daß der Verf. durchwegs die religiösen Momente unterschätzt, die gerade in dieser Epoche eine so bedeutende Rolle spielen. Dies wird gleich am Beginn besonders deutlich im Abschnitt über die ideologischen Vorbereitungen des Bauernkrieges. Interessant sind die Ausführungen des Verf. über die Beziehungen zum Bundschuh (S. 115 ff.), wenngleich die Unterlagen zu gering und unsicher scheinen. Jedenfalls bestand ein sehr enger Zusammenhang mit dem Allgäuer Aufstand. Wichtig ist der Hinweis auf das Umsichgreifen des Aufruhrs auch in den italienischen Teilen Tirols. Die Spaltung, die die Bewegung gleich nach ihren ersten Erfolgen befiel, erfolgte jedoch nicht nach nationalen sondern sozialen Kriterien. Die armen Bauern vertraten die radikale Richtung, während die reichen und die Stadtbürger konservativ eingestellt waren. Ein enger politischer Zusammenhang bestand mit der Entwicklung im Reich, von da her wurde die vorsichtige Haltung Erz