Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 21. (1968)

ZAUNER, Alois: Die Pfarrarchive Oberösterreichs

486 Literaturberichte mit der Gegenseite. Die österreichisch-italienischen Verhandlungen zwi­schen 1914 und Mai 1915 bilden eines der erregendsten Kapitel dieses Bu­ches und L. Valiani hat in den verhältnismäßig wenigen Seiten, die er ihnen widmet, alles Entscheidende gesagt. Das Scheitern dieser Verhandlungen brachte dann auch die eigenstän­dige Politik der Nationalitäten ins Rollen — Kap. Ill: L’esordio della „po­litica déllé nazionalitá“ (S. 139—-193) —, belebte und schürte die Auflö- sungs- oder Loslösungstendenzen der Tschechen, Slowaken, Rumänen und Südslawen, ja selbst der Ungarn — Kap. IV: L’independentismo jugoslavo, cecoslovacco e ungherese (1915—1916) (S. 194—246) —. Nach dem Tode Franz Josephs und der Thronbesteigung Kaiser Karls setzten auch bald die Versuche ein, zu einem Friedensvertrag mit den Ententemächten zu kom­men, aber auch die entschiedenen Bestrebungen der Südslawen und der anderen nichtdeutschen Nationalitäten Österreich-Ungarns, sich außerhalb der Monarchie zu etablieren und auf deren Auflösung hinzuarbeiten, wie L. Valiani im V. Kap.: Dall’offerta di pace degli Imperi Centrali al patto di Corfú (S. 247—343) überzeugend nachweist. Die Auflösung der Habsburgermonarchie erfolgte, das wird aus den Untersuchungen und Nachweisen L. Valianis deutlich, nicht von außen her, sondern wurde von den auseinander und zu völliger staatlicher Unab­hängigkeit strebenden Nationalitäten von innen her herbeigeführt. Das von Wilson propagierte Selbstbestimmungsrecht der Völker förderte und forcierte die auseinanderstrebenden Kräfte. Die Monarchie war, wie auf dem am 8. April 1918 in Rom zusammengetretenen Kongreß der aus der Monarchie wegstrebenden Nationalitäten sichtbar wurde, nicht mehr zu retten. Die von den tschechoslowakischen, südslavischen, rumänischen, polnischen und italienischen Delegationen auf diesem Kongreß beschlosse­nen Resolutionen waren auf die endgültige Zerschlagung der Monarchie gerichtet, über deren Auflösung schon vor der kommenden Niederlage und dem Friedensdiktat ein Teil ihrer Völkerschaften ihr Verdikt gefällt hat­ten. (Kap. VI.: L’autodecisione dei popoli e il „Congresso di Roma“ (S. 345 —450). In einem Anhang nimmt L. Valiani dann noch zu den jüngsten Veröf­fentlichungen über die Friedensbemühungen Österreichs 1917 Stellung (S. 451—489). Ein umfangreiches und ausgezeichnet gearbeitetes Namens­register schließt den Band ab. L. Valianis Werk ist begreiflicher Weise stärker auf das südslavische und italienische Problem abgestimmt als etwa auf das tschechische und polnische, doch werden auch die Aktionen der anderen Nationalitäten maß­gerecht in die großen Verhandlungen eingebaut und behandelt. Es ist fast selbstverständlich, daß man dieses Buch jedem österreichischen Historiker nur dringend zur Lektüre empfehlen kann, es müßte meines Erachtens, um entsprechend seiner Bedeutung weiteren Kreisen zugänglich zu sein, ins Deutsche übersetzt werden. Es stünde dafür. Richard B 1 a a s (Wien)

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