Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 21. (1968)

ZAUNER, Alois: Die Pfarrarchive Oberösterreichs

Rezensionen 487 Gerhart Hass, Von München bis Pearl Harbor. Zur Geschichte der deutsch­amerikanischen Beziehungen 1938—1941. (Deutsche Akademie der Wissen­schaften zu Berlin. Schriften des Institutes für Geschichte. Reihe 1: Allge­meine Deutsche Geschichte, 29.) Akademie-Verlag, Berlin 1965. VII, 278 S. Gerhart Hass hat seine im Jahre 1962 der Universität Halle vorgelegte Dissertation über „Die Entwicklung der Gegensätze zwischen dem ameri­kanischen und dem deutschen Imperialismus am Vorabend des zweiten Weltkrieges“ in den folgenden zwei Jahren zur vorliegenden Studie über die Geschichte der deutsch-amerikanischen Beziehungen von 1938—1941 erweitert. Er hat in seiner Forschungsarbeit das einschlägige gedruckte Quellenmaterial ebenso wie die schon in die hunderte Titel zählende Sekundärliteratur erfaßt und durchgearbeitet. Die ausgezeichnete Biblio­graphie verzeichnet die westlichen Werke ebenso vollständig wie die öst­lichen, und G. Hass bestätigt die Beherrschung des Materials in seinen aus­gezeichnet dokumentierten Ausführungen. Hass hat seine Forschung er­gänzt durch Arbeit im Deutschen Zentralarchiv Potsdam und im Warschauer Archiv der Hauptkommission für die Untersuchung der faschistischen Ver­brechen in Polen; er hat seine Aussagen streng wissenschaftlich belegt, sich in einem einleitenden Kapitel kritisch mit der bisher vorliegenden Literatur zu diesem Thema auseinandergesetzt; er hat mit Gewinn aus­gehend von der marxistischen Geschichtsinterpretation die wirtschaftliche Komponente der internationalen Beziehungen in den Vordergrund seiner Darlegungen gerückt und er hat durch Hinweise auf den wirtschaftlichen Wettbewerb zwischen dem deutschen Kapital und den amerikanischen Interessen in Lateinamerika zusätzliche Argumente für den Gegensatz der beiden Mächte aufgespürt, ebenso wie er aus den Archivmaterialien des IG-Farbenprozesses Beweise für eine enge Verflechtung deutscher und amerikanischer Industrieinteressen bis in die Jahre des 2. Weltkrieges hinein nachweisen konnte. Das Material, das G. Hass zur Vorgeschichte des 2. Weltkrieges vorlegt, ist ein unabdingbarer Gewinn für die Formung eines objektiven Geschichtsbildes und doch: man legt das Buch nach dem Studium mit einem gewissen Unbehagen aus der Hand, denn die Einsichten in die Problematik und die Verantwortung für das Geschehen werden in einer krassen, dem politischen Streit und nicht der wissenschaftlichen Forschung entsprungenen Schwarz-Weiß-Malerei präsentiert, die es je­nen, die außerhalb der kommunistischen Länder ebenfalls die verderbliche Verflechtung von Militarismus und Industrie erkannt und wissenschaftlich dargelegt haben, schwer macht, diese Ausführungen als Argument heran­zuziehen. Ohne Zweifel, G. Hass hat recht, wenn er aufzeigt, wie sehr die amerikanische, britische und französische Politik gegenüber dem National­sozialismus dadurch gehandikapt war, daß man in maßgebenden politi­schen Kreisen den Kampf gegen den Bolschewismus für wesentlicher hielt als den Kampf gegen den Faschismus und daß man bereit war, Hitler und den Nationalsozialismus als Instrument im Kampf gegen das kommunisti­sche Rußland einzusetzen. Die Einsicht, daß das antisozialistische Trauma der bürgerlichen Welt im vielleicht entscheidenden Maße den verhängnis­vollen Weg in den Faschismus bewirkt hat, ist gerade in den letzten Jahren in zunehmender Weise von amerikanischen Autoren ausgesprochen und

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