Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 21. (1968)
ZAUNER, Alois: Die Pfarrarchive Oberösterreichs
Rezensionen 475 ausgehandelten und zu Cormons geschlossenen Waffenstillstand (Dok. Nr. 283) folgten dann die Verhandlungen mit Frankreich wegen der Übergabe Venetiens (Dok. Nr. 291) und die Absprachen über die sukzessive Räumung der festen Plätze. Am aufschlußreichsten sind in dieser Endphase die Berichte des österreichischen Übergabekommissärs, des Generals Mö- ring, die bereits nicht mehr im strengen Sinn zu den militärischen Dokumenten zählen, aber doch für den Ablauf der Ereignisse in Italien entscheidend sind. Den Abschluß dieses Bandes bilden dann die bereits aus der Literatur bekannten Schilderungen Mörings über seine Unterredung mit König Viktor Emanuel in Venedig und das Schlußmemoire über seine Mission als Übergabekommissär. Mit der Edition dieser Aktenstücke hat A. Filipuzzi nicht nur der italienischen Geschichtsschreibung neues und sicherlich beachtenswertes Quellenmaterial zu einer der entscheidenden Epochen des italienischen Risorgimento erschlossen, sondern auch der österreichischen Geschichte durch die Veröffentlichung dieser in den Archiven bisher nur allzusehr verborgenen Schätze einen dankenswerten Dienst erwiesen. Über so manche störende Druckfehler soll bei der Beurteilung der Gesamtbedeutung großzügig hinweggesehen werden. Diese Aktenpublikation wird in der reichen Literatur zum Jahre 1866 ohne Zweifel ihren verdienten Platz finden. Richard B 1 a a s (Wien) Allgemeine, politische und Kirchengeschichte Sigfried Seifert, Niedergang und Wiederaufstieg der katholischen Kirche in Sachsen 1517—1773. (Studien zur katholischen Bistums- und Klostergeschichte 6.) St. Benno-Verlag, Leipzig 1964. XIII, 196 S. Es handelt sich hier um eine Promotionsschrift an der Theologischen Fakultät der Karl-Marx-Universität Leipzig. Gegenüber früheren katholischen oder protestantischen Darstellungen zu diesem Thema liegt es dem Verfasser an einer offeneren und objektiveren Behandlung der Dinge. Er bemüht sich auch um die Verflechtung der kirchengeschichtlichen mit den politischen Aspekten. Im ersten Teil, der den Niedergang der katholischen Kirche im 16. Jahrhundert schildert, werden zunächst die Kurfürsten dieser Epoche, Georg, Heinrich und Moritz, sowie die Bischöfe der drei Bistümer des Landes: Meißen, Naumburg und Merseburg skizziert. Der relativ lange Bestand dieser Bistümer in katholischer Hand trotz der evangelischen Konfession der Landesherrn und eines Großteils des Volkes ist aus deren Rückhalt als Reichsstände zu verstehen. Unter den letzten Bischöfen von Naumburg und Merseburg begegnet man zwei bekannten Persönlichkeiten aus dem deutschen Reformkatholizismus, Julius Pflug und Michael Helding. Auch sie konnten das Übergehen der Stifte in die Administration der Landesherren nicht mehr hindern. In Meißen resigniert der letzte Bischof Johann von Haugwitz, der selbst Protestant geworden war, 1581.