Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 21. (1968)

ZAUNER, Alois: Die Pfarrarchive Oberösterreichs

476 Literaturberichte Einzig und allein in der Oberlausitz, die politisch zu Böhmen, kirchlich zum Bistum Meißen gehörte, konnte sich katholisches Leben dank der Erhaltung des Domstiftes St. Peter in Bautzen regenerieren, was auf die Festigkeit des Dekans Johann Leisentrit zurückzuführen ist. Bald schon begannen, wie der Autor in dem interessanten 2. Teil der Arbeit unter­sucht, die Hoffnungen und Bemühungen auf katholischer Seite hinsichtlich einer Konversion der sächsischen Kurfürsten und damit einer Wiederöff­nung Sachsens für die Kirche. Kardinal Stanislaus Hosius, Bischof des Ermlandes, erscheint in der Regierungszeit Kurfürst Augusts als Initiator solcher Bemühungen, die von der deutschen Kongregation in Rom getra­gen und von den Päpsten unterstützt wurden. Aber ebenso wie später, während des 30-jährigen Krieges, bei Johann Georg I. und dessen Oberhof­prediger Hoe von Hoénegg, waren diese katholischen Hoffnungen trüge­risch, denn kaiserliche Gesinnung ging bei den Sachsen mit evangelischer sehr gut zusammen. Dann aber kommt die Zeit der opportunistischen Attraktion der Konversionen. Johann Georg II. wäre dazu bereit gewesen, wenn Kaiser Leopold ihm dafür militärische Unterstützung gewährt hätte. Bei der überraschenden Konversion des Neffen Christian August allerdings muß der Autor wohl vorwiegend religiöse Motive annehmen. Zunächst brachte ihm die Konversion persönliche Nachteile. Später wurde er Bichof von Gran und Kardinal. Der rein politische, freiwillige Schritt Augusts des Starken zur katholischen Kirche, begleitet von Hinterhältigkeiten nach allen Richtungen, öffnete in der Folge doch allmählich dem Katholi­zismus die Tür. Die Versprechungen bezüglich der Religionsausübung der Katholiken in Sachsen mußten allerdings dem Kurfürsten erst abgerungen werden. 1708 wurde die erste katholische Hofkapelle mit genauen, von August Unterzeichneten Statuten eröffnet. Die Seelsorge wurde den Jesuiten übertragen, die sie bis zur Auflösung des Ordens 1773 innehatten und sich besonders den katholischen Hofleuten und Ausländern widmeten. Erst die Heirat des konvertierten Kurprinzen mit der Kaisertochter Maria Josepha sicherte den Fortbestand der katholischen Seelsorge in Sachsen, die durch den Bau der Hofkirche in Dresden 1739—1772 ihren äußeren Ausdruck fand. Der Autor konnte für seine Darstellung reiches Material — insbesondere die Korrespondenz innerhalb der kurfürstlichen Familie — aus den sächsischen Archiven schöpfen. Ferner kam ihm eine Anzahl gedruck­ter Quellen, so vor allem die Nuntiaturberichte aus Deutschland, zugute. An Literatur stützte er sich auf Spezialarbeiten in großer Zahl, für das letzte Kapitel auf eine in derselben Reihe erschienene Arbeit von Paul Franz Saft. Die äußeren Umstände haben es wohl mit sich gebracht, daß ihm einige neuere Arbeiten über die Kirchengeschichte Deutschlands und Europas jener Epoche entgangen sind, auf die man nicht gut verzichten kann: es seien nur die Namen Karl Eder, Hubert Jedin und Georg Schrei­ber genannt. Auch die in dem engeren Rahmen mit großer Genauigkeit durchgeführten Archivforschungen könnten noch auf andere Archive aus­gedehnt werden, so auf das Haus-, Hof- und Staatsarchiv in Wien oder auf das Hauptstaatsarchiv in München, wo für manche Partien noch viel Ma­terial zu finden wäre. Anna C o r e t h (Wien)

Next

/
Oldalképek
Tartalom