Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 21. (1968)

ZAUNER, Alois: Die Pfarrarchive Oberösterreichs

474 Literaturberichte Von besonderem Interesse sind die im Anhang zusammengefaßten Dokumente über die Operationen der kleinen österreichischen Flottille auf dem Gardasee. Sie sind zu Recht hier angefügt, obwohl die Kanonenboote auf dem oberen Teil des Gardasees in ihrem taktischen Einsatz vom Heeresoberkommando abhängig waren und mit der Südarmee Zusammen­wirken mußten. Der zweite „Le operazioni terrestri“ betitelte Band bringt die militä­rischen Dokumente über den Landkrieg 1866 in Italien. Die Dokumente setzen ein mit den militärischen Vorbereitungen in Tirol zu Beginn des Jahres 1866. Weil man österreichischerseits im Falle einer kriegerischen Auseinandersetzung mit Italien mit einem Freischareneinfall ins Trentino mit Sicherheit rechnen mußte, wurden dort auch die ersten Vorbereitungen getroffen, was umso leichter war, als man in Tirol zufolge der militäri­schen Sonderstellung Tirols die Hauptlast der Verteidigung den Stand­schützen überlassen konnte. Der Feldzug im Trentino gewann auch in der Folge eine eigene Bedeutung, wenn er auch logischerweise nicht losgelöst vom militärischem Geschehen in Venetien betrachtet werden darf. Die Vorbereitungen für den Aufmarsch der Südarmee erfolgen dann Ende April und ziehen sich bis in den Juni hinein, und die mit dem Komman­danten der Südarmee geführte Korrespondenz zeigt deutlich genug auf, daß er in erster Linie defensive Aufgaben zu erfüllen hatte. Die in diesem Bande zusammengetragenen Dokumente sind für die Beurteilung des strategischen Konzepts des Erzherzogs Albrecht sehr aufschlußreich. Die am 24. Juni geschlagene Schlacht bei Custozza, die mit einem Sieg der Österreicher endete, war in erster Linie eine Abwehrschlacht gegen den über den Mincio vorgedrungenen Feind. Die Berichte über den Sieg bei Custozza sind sachlich und ohne Überheblichkeit abgefaßt und erweisen auch dem tapferen Gegner die schuldige Reverenz. Der weitere Ablauf des Krieges im Süden war dann allerdings durch die Anfang Juli im Norden erlittene entscheidende Niederlage bestimmt und von der dadurch herbeigeführten französischen Mediation zufolge des am 12. Juni 1866 abgeschlossenen Geheimvertrages zwischen Österreich und Frankreich über die Abtretung Venetiens. Der Feldherr der Südarmee war absichtlich über diesen Geheimvertrag nicht informiert worden und sein Entsetzen über die einige Tage nach seinem glorreichen Sieg verlautbarte Cession kommt in den Dokumenten deutlich zum Ausdruck. Zur Sicherung der Haupstadt Wien mußte nach der Niederlage in Böhmen die Südarmee so rasch als möglich an die Donau verlegt werden. In Venetien blieben nur die Festungen besetzt, das Land wurde vor den nachrückenden Italienern schrittweise geräumt; nur im Trentino wurde noch im Juli er­bittert gekämpft. Auf dem eigentlichen Kriegsschauplatz aber ging es nur mehr um die Aushandlung eines günstigen Waffenstillstandes. Die Doku­mente hinsichtlich der Waffenstillstandsverhandlungen sind von besonde­rer Wichtigkeit, weil die Italiener erst nach zähen Verhandlungen und nur unter dem massiven politischen Druck Frankreichs und auch Preußens zur Aufgabe der von ihnen besetzten Positionen im Trentino bewogen wer­den konnten, und ohne vorherige Räumung des Trentino war Österreich zu keinem Waffenstillstand bereit. Auf den am 12. August 1866 endlich

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