Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 21. (1968)
ZAUNER, Alois: Die Pfarrarchive Oberösterreichs
470 Literaturberichte die Wissenschaft. Es ist zu wünschen, daß die noch ausstehenden aber versprochenen weiteren Ergänzungsbände, nämlich die über das Oberinntal und über Südtirol, bald folgen werden, womit dann die große Serie der Tirolischen Weistümer der historischen Forschung in ihrem vollen Umfang zur Verfügung stehen wird. Richard B 1 a a s (Wien) Antonio Madonizza, Lettere dalia Costituente Austriaca del 1848—49. A cura di Giovanni Quarantotti. (Monumenti Storici, nuova serie 19.) Deputazione di Storia Patria per le Venezie, Venezia 1966. XXXIV, 319 S. Über das Revolutionsjahr 1848 und seinen Ablauf in Wien noch unbekannte Quellen aufzuspüren, schien ein ziemlich aussichtsloses Unterfangen. Längst haben sowohl die allgemeine Geschichtsschreibung als auch insbesondere die Lokalhistoriker alles zusammengetragen, was über dieses epochemachende Ereignis aus Akten, Memoiren und Korrespondenzen geschöpft werden konnte. Das Revolutionsjahr und der Aufstand in Wien sind nach allen Richtungen hin durchforscht und dargestellt worden. Eine umfangreiche historische Literatur gibt davon Zeugnis. Die Veröffentlichung des hier anzuzeigenden Werkes ist daher wirklich eine für die österreichische Geschichtsforschung positive Überraschung, weil sie mit einer bisher völlig unbekannten und doch sehr bedeutenden Quelle zur Geschichte des Jahres 1848 von einer ziemlich unvermuteten Seite her die Bekanntschaft vermittelt. Die von Giovanni Quarantotti aufgefundenen und mit Unterstützung der Deputazione di Storia Patria per le Venezie herausgegebenen Briefe des istrianischen Advokaten Antonio de Madonizza erweisen sich in ihrer Gesamtheit als aufschlußreiche und höchst bemerkenswerte Informationsquelle über die erste österreichische verfassunggebende Versammlung. Für die österreichische Verfassungsgeschichte, aber auch für die Geschichte der Stadt Wien, sind diese aus Wien datierten Briefe von Bedeutung; auch wenn sie inhaltlich die schon bekannten Ereignisse nur bestätigen oder aus anderer Sicht wiedergeben, sind sie doch als Dokumente eines Augenzeugen wertvoll. Der Advokat Antonio de Madonizza war bei den für die verfassunggebende Versammlung ausgeschriebenen Wahlen vom 18.—20. Juni 1848 im ersten küstenländischen Wahlkreis, der seine Heimatstadt Capodistria und Pirano umfaßte, gewählt worden. Der 1806 in Capodistria geborene Deputierte war seiner politischen Einstellung nach ein Liberaler mit starken italienischen Tendenzen und Sympathien für ein geeintes Italien, für dessen Schaffung gerade 1848 das Königreich Sardinien zum ersten Mal gegen Österreich in den Krieg zog. Madonizza brach bald nach seiner Wahl nach Wien auf, wo er am 7. Juli abends ankam. Tag für Tag richtete er nun an seine heißgeliebte Gattin Judith Brief auf Brief, in denen er ihr über seine Erlebnisse in Wien und über seine Tätigkeit in der verfassunggebenden Versammlung ausführlich berichtete. Vom 8. Juli bis zum 3. November schrieb er ihr nicht weniger als 130 Briefe. Sie bilden, und das macht auch ihren besonderen Reiz aus, tatsächlich ein Tagebuch zur Geschichte der Genesis der ersten österreichischen Verfassung.