Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 21. (1968)
VAGO, Bela: Österreichische konsularische Interventionen in der Walachei und der Moldau gegen antijüdische Ausschreitungen (1801–1803)
452 B. Vago tung stellt er fest, daß Neophit .. débite une infinité d’absurdités contre la nation Juive qui repandues parmi la populace auraient pu exciter les Chrétiens contre les Juifs.“ Timoni berichtet über seine Aussprache mit dem Fürsten, der übrigens bereits durch die Juden über das Erscheinen des Pamphlets informiert worden war. Moruzi befahl die Einziehung und Vernichtung sämtlicher auffindlichen Exemplare19), und beruhigte Timoni, daß die Behörden Befehl erhalten sollten, die Ordnung aufrecht zu erhalten. Am 5. oder 6. April begegnete Timoni nochmals dem Fürsten in der Affaire Neophit. Bei dieser Gelegenheit teilte Moruzi dem Konsul mit, daß der Hofmarschall Befehl erhalten hatte, den soeben zum Erzbischof geweihten Veniamin Costachi 20) zu bewegen, den Mönch Ignatz, der eng mit Neophit verbunden war, zu verhaften 21). Im Gegensatz zum früheren Erzbischof, war Veniamin Costachi ein gebildeter, toleranter Mann, der kategorisch Neophit’s Machinationen ablehnte und seinen Vorgänger in dieser Angelegenheit desavouierte. Er ließ den Mönch Ignatz verhaften und bestrafen und bestrafte auch das Oberhaupt des Klosters Neamtz, das er wegen Neophit zur Verantwortung zog 22 23 *). Der Fürst Moruzi ging in der Verhinderung des Pogroms so weit, daß er dem mit der Ordnung beauftragten Würdenträger Raducanu mitteilte, er solle nicht mit ihrer Verwandtschaft rechnen, da er im Falle daß Unruhen ausbrechen sollten, die Mindeststrafe, seine Entlassung, zu erwarten habe 2S). Gleichzeitig wandte sich Timoni an die Vorsteher der jüdischen Untertanen und bat sie, sich in den folgenden Wochen — während der Osterfeiertage — möglichst nicht in der Öffentlichkeit zu zeigen, Streitigkeiten mit der einheimischen Bevölkerung zu vermeiden und keinerlei Anlaß zu Angriffen zu geben. * Im Jahre 1804 richtete C. A. Ipsilanti, Fürst der Walachei, einen Befehl an den Bukarester Erzbischof wegen der Anstiftung zum Ritualis) (Le Prince) „... avait ... fait bruler les dedicasses qui lui étaient adressées, en enlevant tous les exemplaires pour les faire également détruire petit á petit; tout comme fait sous main ramasser le peu d’exemplaires qui avaient été debités.“ 20) Laut jüdischen Quellen verhinderte der neue Erzbischof den Ausbruch des Pogroms, hielt eine Ansprache an die aufgeregte Masse und kündete an, daß die unschuldigen Juden sich unter seinem Schutz befinden. 21) Der Mönch Ignatz war einer derjenigen, denen Neophit die inkriminier- ten Briefe gesandt hatte. Übrigens stellte sich heraus, daß der Mönch das Neophit-Pamphlet für teures Geld den eingeschüchterten Juden aufgezwungen hatte. 22) Über gegen Neophit selbst eventuell unternommene Maßnahmen berichten unsere Quellen nichts. 23) „Le Prince m’assura de plus d’avoir réitéré ä M. Radukano le Hatman de ne pas compter sur la paranté quis les lie; qu’au moindre desordre, le moins qu’il pourra lui arriver, ce fera sa deposition; lui et l’aga repondent de la tranquilité publique.“ (Ibid., 55).