Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 21. (1968)

VAGO, Bela: Österreichische konsularische Interventionen in der Walachei und der Moldau gegen antijüdische Ausschreitungen (1801–1803)

Österreichische konsularische Interventionen in der Walachei 453 mord24). In seiner Einleitung bemerkte der Fürst, daß grundlose Ritual­mord-Gerüchte einen Teil der Bevölkerung in Aufregung hielten, und daß die Anstifter vorwiegend diejenigen Elemente seien, denen die erfundenen Beschuldigungen als Vorwand zu Plünderung und Raub dienten. Um all dies zu vermeiden, ersuchte er den Erzbischof, sich mit einem aufklären­den Hirtenbrief an die Bevölkerung und insbesondere an die Priester und andere Geistliche zu wenden, damit sie die Grundlosigkeit der Anschul­digungen und vor allem die wahren Ziele der Aufwiegler verkündeten. Abschließend droht der Fürst denjenigen, die diese falschen Gerüchte verbreiteten — und unter ihnen besonders den Priestern —, schwere Strafen an. Jüdische Historiker bemerken, daß die Motive unbekannt sind, die Ipsilanti zum Schreiben des erwähnten Briefes veranlaßten 25). Die Inter­ventionen Merkelius und Timonis — im Lichte ihrer Meldungen — mögen auch diese Frage beantworten. * Es liegt uns fern, die Bedeutung der erwähnten Interventionen zu übertreiben. Aber, abgesehen von der konkreten Hilfe, die den Juden der beiden Fürstentümer zuteil wurde, ließen Merkelius und Timoni in Bukarest und in Jassy eine neue Stimme zu der Frage des Ritualmordes ertönen. Sie traten in den rumänischen Fürstentümern als Repräsentanten der westlichen Aufklärung und der Toleranz auf, als die Wellen der großen geistigen Umwälzung der Jahrhundertwende dieses Randgebiet noch nicht erreicht hatten. Es soll ferner nicht übersehen werden, daß in den Reihen des rechtlosen Ostjudentums diese Interventionen den Begriff „Untertan“ mit konkretem Inhalt erfüllten. 24) Halevy, op. cit. S. 106—107. — Cf. „Cultura“, Bucuresti, Anul II, (Seria II.), No. 1., Mai 1938, S. 15. M) Halevy, S. 106—107.

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