Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 21. (1968)
VAGO, Bela: Österreichische konsularische Interventionen in der Walachei und der Moldau gegen antijüdische Ausschreitungen (1801–1803)
450 B. Vago pris, voudra prendre toutes les précautions possibles, pour que d’orenavant les Juifs commercants évitent les causes d’irritation, et se soumettent aux réglements adoptés et jugés nécéssaires, afin que les mesures du gouver- nement pour éteindre l’animosité puissent avoir leur effet10 11). Boukarest á 10/22 Mai 801. Demetrius de Manó (m. p.) Die zwei beschuldigten Juden wurden den Österreichern ausgeliefert und mit bewaffneter Begleitung über die Grenze nach Kronstadt abtransportiert. Der Konsul erhielt die Protokolle über das Verhör der Bukarester Polizei und leitete sie weiter nach Kronstadt. In seinem Begleitschreiben an das Militärkommando in Kronstadt bemerkte Merkelius unter anderem, daß die beiden Juden im Sinne der walachischen Anklage einen „Christen zu einem, den Juden aufgebürdeten Religionsgebrauch ermordet hätten“ “). Aus einem Bericht des Konsuls vom 1. Juni erfahren wir, daß das Konsulat auch mit der Feststellung der Schäden der Juden zwecks eines Entschädigungs-Verfahrens beschäftigt war. Zum Abschluß können wir feststellen, daß die beiden unschuldig ange- klagten Juden infolge der Intervention des Konsuls vor Folterungen und auch vor dem Tode gerettet wurden, und ohne Zweifel ist auch das gutwillige Benehmen der Bukarester Behörden — während des Pogroms — den Juden gegenüber dem liberal gesinnten Merkelius zuzuschreiben. Die Korrespondenz des Konsuls mit Wien, die sich bis Mitte Juni in dieser Angelegenheit hinzog, beweist, daß Wien Merkelius’ Tätigkeit guthieß und billigte. * Weniger als zwei Jahre nach dem Bukarester Pogrom erschütterte das moldauische Judentum die Gefahr eines neuerlichen Pogroms. Im Februar des Jahres 1803 erschien in Jassy eine Publikation, die die „Geheimnisse des Ritualmordes enthüllte“. Das Büchlein wirkte aufpeitschend auf die rückständige und fanatische Bevölkerung. Ein getaufter, jüdischer Religionslehrer, der in den Neunziger Jahren des XVIII. Jahrhunderts unter dem Namen Neophit als Mönch in dem Griechisch-orthodoxen Neamtz-Kloster auftauchte, publizierte auf Kosten des Erzbischof’s Jacob aus Jassy ein Pamphlet in rumänischer Sprache, um „die Juden über die geheimen, kriminellen Machenschaften der Rabbiner aufzuklären.“ Das in der erzbischöflichen Druckerei erschienene Pamphlet befaßt sich in äußerst primitiver Form mit „Enthüllungen“ über den Ritualmord 12). i«) HHSA, ibidem (1801—1 193. a. — No. 6.) 11) Ibidem, Kopie (vom 22. Mai 1801). 12) Neophit hieß Noich (Noach), aber sein Name lautet auch Vanva (Wanwa) usw. — Die Originalausgabe erschien unter dem Titel „Infruntarea Jidovilor ...“ („Die Bekämpfung der Juden ...“) — Die zweite rumänische Ausgabe erschien 1871.