Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 21. (1968)
SPRUNCK, Alphonse: Verteidiger der Interessen Österreichs in den südlichen Niederlanden während des Spanischen Erbfolgekrieges 1709–1714
22 Alphonse Sprunck wenig zu befürchten sei. Nach unzuverlässigen Meldungen waren die Verhandlungen abgebrochen. Am 11. April schrieb Merode-Westerloo an Kellers, weitere Besprechungen hätten am 4. und 5. bei Worden im Landhaus von Buys, des Pensionärs von Amsterdam, stattgefunden. Dieser wünschte sehr den Frieden und stand den Parteigängern Frankreichs nahe 7). Diese alle waren bereit, dem Herzog von Anjou Sizilien zu überlassen, um dafür die Barriere Hollands in den katholischen Niederlanden weiter ausdehnen zu können. Anderseits wollten sie Frankreich schwächen, mit der Erwägung, die Generalstaaten könnten auch das ganz erschöpfte Spanien in derselben Weise beherrschen, wie dessen niederländische Provinzen, und so die Rolle einer dritten Macht zwischen Frankreich und Österreich spielen. Die Entscheidung sollte in den nächsten Tagen fallen. Immerhin rechnete Merode-Westerloo mit einem weiteren Feldzug und mit der Einsicht der Generalstaaten, daß eine Überlassung eines Teils der Monarchie Karls II. an den Herzog von Anjou eine Gefahr für die anderen Staaten Europas bedeuten würde. Von Wien hatte er erfahren, daß man dort die Wichtigkeit des Besitzes von Sizilien nicht hoch genug einschätzte, aber er war der Hoffnung, die kaiserlichen Minister teilten seine Ansicht. Ebenso hatte er gemerkt, daß die Vertreter Hollands vorläufig England mehr fürchteten, als Frankreich. In Strinck Saes bestanden heftige Gegensätze zwischen den Anhängern eines Friedens mit Ludwig XIV. und ihren Gegnern. Merode-Westerloo befürchtete, die Stadt Amsterdam sei sehr zu einem solchen Frieden geneigt, während augenscheinlich andere Holländer dem Herzog von Savoyen die Provinz Bresse und alles Gebiet überlassen wollten, das er an Ludwig XIV. abgetreten hatte, um dafür die Markgrafschaft Saluzzo zu bekommen; ebenso wollten sie Frankreich um die Bourgogne und die Drei Bistümer verkleinern. Aber Merode-Westerloo hatte gemerkt, daß alle Holländer bereit waren, Frankreich Sizilien zu überlassen, um es nicht zu sehr zu demütigen. Er glaubte aber nicht, daß England seine Einwilligung dazu geben würde. Geschickte Minister des Kaisers müßten dafür sorgen, daß der Herzog von Savoyen die Provinz Bresse bekäme; dafür müßte er auf das Gebiet verzichten, das Österreich ihm abgetreten hatte, da sonst Erzherzog Karl Mailand nicht behaupten könne. Montferrat müsse man Savoyen überlassen, doch könne man dem Herzog von Lothringen als Entgelt dafür ein anders Gebiet auf Kosten Frankreis überlassen. Auf dem Schreibtisch eines Vertreters der Generalstaaten hatte Merode-Westerloo einen wichtigen Bericht gefunden. Als dieser merkte, daß er ihn gelesen hatte, hatte er ihm schließlich eine Abschrift überlassen; als Verfasser sah er den Grafen Clairmont, ein Mitglied des Staatsrates, an, da die Neuerun7) Nach Legrelle, S. 470, hatte Rouillé keineswegs den Eindruck, daß Buys den Frieden wünschte.