Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 21. (1968)

SPRUNCK, Alphonse: Verteidiger der Interessen Österreichs in den südlichen Niederlanden während des Spanischen Erbfolgekrieges 1709–1714

Verteidiger der Interessen Österreichs in den südlichen Niederlanden 23 gen, die darin am Schluß vorgeschlagen waren, ganz zu dessen Vorteil waren8). Merode-Westerloo befürchtete, daß die Minister in Wien, genau wie früher die in Madrid, über die Bedeutung der einzelnen Teile der spani­schen Monarchie nicht genügend unterrichtet wären und nicht die Wich­tigkeit erkannten, sie als Ganzes zu erhalten. Der Kaiser verfügte über nur wenige Minister, die schon länger in seinem Dienste standen, während die Lage immer schwieriger wurde 9). Immerhin wollte Merode-Wester­loo soweit als möglich Ratschläge vermitteln, ohne sich jedoch großen Einfluß zu erwarten. Einige Tage zuvor war Rouillé von Worden über Brüssel nach Versailles gereist. Renswoude, der Vertreter Hollands in Brüssel, der Frankreich zu günstig gesinnt war, hatte Merode-Westerloo gesagt, die Franzosen hätten zwar einige weitere Zugeständnisse ange- boten, aber sie seien bei den Verhandlungen genau so ungeschickt wie im Kriege, sodaß mit einem weiteren Feldzug zu rechnen sei. Renswoude hatte offen eingestanden, ein gesamtes Angebot einer besseren Grenze in den südlichen Niederlanden hätte die Generalstaaten zum Frieden be­stimmt, nicht aber solche stückweise Zugeständnisse, wie sie ihnen gemacht wurden. Vom holländischen Intendanten Pesters erwartete Merode-Wester­loo, er würde den Franzosen die Bedingungen diktieren, die seine Regie­rung bei weiteren Verhandlungen Vorschlägen würde. Um die Erhaltung der gesamten spanischen Monarchie würden die Holländer sich wenig kümmern. Für Merode-Westerloo war es eigentlich unglaublich, wie Rouillé es wagen konnte, mit solchen geringen Ange­boten nach Holland zu kommen. Wie er Kellers am 18. April mitteilte, schwankte er zwischen Furcht und Hoffnung. Für seinen guten Willen, Erzherzog Karl Dienste zu leisten, berief er sich auf den Prinzen Eugen, aber er bedauerte sehr, daß es Österreich an einem intelligenten und energischen Manne fehlte, der bei den Verhandlungen Einfluß aus­üben könnte. Da er Marlborough gut kannte, riet er dem Erzherzog, falls es nicht schon zu spät sei, ihm entweder eigenhändig einen Wechsel zu unterschreiben von vier bis fünf Millionen auf die erste Flotte, die Geld aus Südamerika bringen würde, oder ihm eine lebenslängliche Rente von 200 000 bis 300 000 Gulden zu gewähren. Als Gegenleistung müsse England Erzherzog Karl die gesamte spanische Monarchie zukommen lassen, mit den Grenzen, die sie vor dem Pyrenäischen Frieden hatte; 8) Mémoire sur les venues, que LL. HH. PP. les Seigneurs Estats Généraux des Provinces Unies sont trés humblement suppliés d’avoir pour traiter d’une paix ferme et durable avec la France, s. d. (ABV, Reg. 104). 9) „Nous voicy pourtant dans une conjoncture bien importante et épineuse, et les affaires s’avancent sans que personne d’authorité ne parle, au moins c’est en pariant qu’on auroit la satisfaction par devers soy de s’estre aidé autant que l’on auroit pü, et d’avoir ouvert les yeux aux Messieurs en bien des choses; car pour le reste il est bien certain, que le Ministre du Roy dans cette paix n’aurat que 1’honneur de signer ce que les autres auront résolus.“

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