Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 21. (1968)
SPRUNCK, Alphonse: Verteidiger der Interessen Österreichs in den südlichen Niederlanden während des Spanischen Erbfolgekrieges 1709–1714
Verteidiger der Interessen Österreichs in den südlichen Niederlanden 103 er sich immer zurückgesetzt und gedemütigt fühlte; die charakteristischen Züge der Memoiren, die er gegen Ende seines Lebens schrieb, finden sich schon in seinen Briefen. Wohl schon gleich nach der Schlacht bei Ramillies hatte er mit seiner späteren Ernennung zum Gouverneur der Provinz Luxemburg, der größten der katholischen Niederlande, als selbstverständliche Anerkennung für seinen Übertritt in die Dienste des Erzherzogs gerechnet; jedenfalls hätte er in einer solchen Stellung Österreich und der einheimischen Bevölkerung gute Dienste leisten können. In Frankreich hatte der königliche Absolutismus auch den hohen Adel machtlos gemacht, durch eine straffe Zentralisierung der Verwaltung die Sonderrechte der einzelnen Provinzen stark beschnitten und ihre Stände, soweit sie noch bestanden, zu ausführenden Organen des Willens Ludwigs XIV. gemacht. Sehr häufig ärgert sich Saint-Simon in seinen Memoiren über diese Demütigung der alten Adelsfamilien, deren Vorfahren der Monarchie unschätzbare Dienste geleistet hatten. Unter der spanischen Herrschaft waren die niederländischen Provinzen beinahe als selbständiger Staat behandelt worden, der als Nachfolger des burgundi- schen Herzogtums gelten konnte; der Adel hatte den größten Teil seiner althergebrachten Vorrechte in die Neuzeit hinüber gewahrt. Mit dieser Art von Selbständigkeit war die Bevölkerung wohl zufrieden, auch wenn sie sonst zahlreiche scharfe Klagen gegen die Regierung von Madrid erhob. Vor der Schlacht bei Ramillies hatten die französischen Behörden im besetzten Gebiet Reformen in absolutistischem und zentralistischem Sinne durchgeführt, die große Unzufriedenheit unter der Bevölkerung hervorgerufen hatten6). Auch später am Wiener Hof war Merode- Westerloo kein „Courtisan“ geworden nach Art der Sprossen des hohen französischen Adels, die sich in Versailles um Hofämter stritten; mit Stolz erzählt er in seinen Memoiren, daß er dort nur zweimal Dienst als kaiserlicher Kammerherr tat. Aus Ärger über die geringe Anerkennung, die er vom Versailler Hof für seine Dienste als tapferer Soldat gefunden hatte, aus Anhänglichkeit an die althergebrachten Sonderrechte seines Heimatlandes und seiner Provinzen wollte Merode-Wester- loo nicht Untertan eines Königs werden, der in seinem Lande das Vorbild der absoluten Monarchie von Gottes Gnaden für ganz Europa geschaffen hatte. Für Hortiz galt es, genau wie für Quiros, dem zukünftigen König von Spanien die niederländischen Provinzen als wichtigen und wertvollen Bestandteil seiner Monarchie zu sichern und zu sorgen, daß sie ohne jede Bevormundung durch fremde Mächte zur Wiederherstellung ihres früheren Glanzes beitragen könnten. Seine Ansprüche auf Anerkennung seiner Dienste waren ziemlich bescheiden; er hätte sich schon begnügt mit der regelmäßigen Auszahlung seines Gehaltes oder einer Stellung, die ihm 6) Zur Charakteristik des „Régime Anjouin“: Pirenne, S. 63.