Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 21. (1968)

SPRUNCK, Alphonse: Verteidiger der Interessen Österreichs in den südlichen Niederlanden während des Spanischen Erbfolgekrieges 1709–1714

98 Alphonse Sprunck die gesamte Lage und die Interessen dieser Provinzen zu belehren. Die­ser müsse aber sehr vorsichtig sein, da viele von ihnen nur eigennützige Zwecke verfolgten. Die Vertreter der Generalstaaten kamen vor dem 17. September in Antwerpen an. Auf Befehl des Wiener Hofes begab sich Hortiz am 3. Oktober dorthin, um Königsegg die nötigen Auskünfte über frühere Verhandlungen zu geben. Vorläufig zeigten die Holländer guten Willen zu einer vernünftigen Einigung. Vertreter der Provinzen Brabant, Hennegau, Flandern weilten schon in Antwerpen, um Königsegg Bericht über die Lage in ihren Ländern zu erstatten; die von Limburg und Luxemburg wurden noch erwartet. Am 15. Oktober schrieb Hortiz an Kurz, die Verhandlungen kämen nur langsam vorwärts. Der Kaiser müsse unbedingt klar und energisch mit den Generalstaaten reden, die nicht gerne auf Festungen verzichten wollten, in denen sie vorläufig Herr und Meister waren. Königsegg hatte einen Kurier nach Wien gesandt, während die Vertreter Hollands sich für fünf oder sechs Tage auf die Insel Seeland begeben hatten. In einem Brief vom 22. Oktober ärgerte er sich, daß die Holländer die Verhandlungen in die Länge zogen; der Kaiser müsse unbedingt Truppen senden, um den Generalstaaten zu zeigen, daß ihre lange Herrschaft in den katho­lischen Niederlanden endlich zu Ende sei. Dieselben Klagen wiederholte Hortiz in einem Brief vom 29. Oktober. Er rechnete nicht mit einem Fortgang der Verhandlungen, bevor Königs­egg Antwort auf die Vorschläge hätte, die er nach Wien gesandt hatte. Cadogan, von dem behauptet wurde, er sei vom König von England be­auftragt worden, an den Verhandlungen teilzunehmen, sollte auch in kur­zer Zeit nach Antwerpen kommen. Da er nach der Ansicht Hortiz’ immer Zuneigung für Österreich gezeigt hatte, erwartete er Unterstüt­zung von ihm 37). Am 5. November wartete Königsegg immer noch auf eine Antwort von Wien. In Antwerpen wurde viel geredet von einem neuen Krieg zwischen Frankreich und England, da die Franzosen an der Erbauung des neuen Hafens von Mardyck weiterarbeiteten 38). Deshalb reisten zwei von den vier holländischen Kommissären nach dem Haag, während Königsegg und Cadogan nach Brüssel fuhren. Am 27. November schrieb Hortiz an Kurz, man erwarte in Antwerpen die Ankunft des englischen Generals Stanhope aus Wien, um die Verhandlungen wieder in Gang zu bringen39). Wie versichert wurde, würden die Holländer binnen einer Woche Luxemburg, Namur und Charleroi räumen; kaiserliche Truppen 37) „Quiera Dios que lo manifieste con obras.“ 38) Diese Ortschaft westlich von Dünkirchen war durch den Vertrag von Ryswick an Frankreich gekommen. Ein Memorandum, das der Vertreter Eng­lands in Paris am 23. November 1714 an König Georg gesandt hatte, wurde veröffentlicht in der C. C. P. E., Januar 1715, S. 47—53. 38) Stenop im Text.

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