Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 21. (1968)

SPRUNCK, Alphonse: Verteidiger der Interessen Österreichs in den südlichen Niederlanden während des Spanischen Erbfolgekrieges 1709–1714

Verteidiger der Interessen Österreichs in den südlichen Niederlanden 99 würden sofort diese Festungen besetzen. Ende November wurden die Ver­handlungen ohne Erfolg wiederauf genommen. Am 3. Dezember wieder­holte Hortiz seinen Vorschlag, kaiserliche Truppen nach den öster­reichischen Niederlanden zu senden; noch immer erwartete er ein günstiges Resultat der Verhandlungen. Durch einen der letzten Briefe von Hortiz vom 17. Dezember 1714 erfahren wir, daß diese wieder­um unterbrochen waren. Die Vertreter der Generalstaaten waren wieder­um nach dem Haag gereist, während Königsegg und Cadogan in Brüssel weilten. Hortiz war der Ansicht, die Vertreter Englands und Hollands, die den schändlichen Vertrag von Utrecht unterzeichnet hatten, hätten dadurch ihre eigenen Länder ruiniert; die beiden Regierungen würden nunmehr einsehen, daß sie keinen Bourbonen im Besitz der spanischen Monarchie belassen dürften. Nach Meldungen aus Paris trafen die Fran­zosen Vorbereitungen, um Mitte Februar Mallorca anzugreifen. Er er­wartete einen baldigen Abschluß der Verhandlungen über die Barriere­plätze, da ihre lange Dauer Österreich schon genug Schaden zugefügt hätte. Über den Zweck der Reise Stanhopes nach Wien war nichts be­kannt, doch verlautete, er wolle den Kaiser für ein Bündnis gegen Lud­wig XIV. gewinnen. Am 2. Mai 1715 drückte Merode-Westerloo in Briefen an Rialp und Cardona seinen Ärger aus, daß alle Dienste, die er Österreich geleistet hatte, keine Anerkennung fanden, sodaß er in der Öffentlichkeit als un­fähiger und überflüssiger Mann galt. Die Verantwortung dafür schrieb er dem Prinzen Eugen zu. Ironisch erklärte er seine Zurücksetzung durch seine Antipathie gegenüber Frankreich, da Königsegg den Anhängern des Herzogs von Anjou zugetan wäre. Zuerst hätte er diesen ganz offen sein Vertrauen geschenkt, während er nunmehr geheime Besprechungen mit ihnen abhielte. Merode-Westerloo wollte sich ganz aus den österreichi­schen Niederlanden zurückziehen, um nicht beständig die Klagen der Anhänger des Kaisers und die Befriedigung derjenigen zu hören, die hofften, die niederländischen Provinzen würden mit der Zeit an Frank­reich fallen. Auch vom Abschluß des Barrierevertrages erwartete Merode- Westerloo nur Unheil für sein Land und für den Kaiser große Demüti­gungen. Rückblick Gemäß einem provisorischen Vertrag, den Ludwig XIV. am 15. Juni 1699 mit England und den Generalstaaten schloß, sollte Erzherzog Karl Spanien samt seinen Kolonien sowie die katholischen Niederlande er­halten; seitdem Max Emanuel im März 1692 feierlich in Brüssel einge­zogen war, hatte die Bevölkerung dieser Provinzen sich daran gewöhnt, in ihm einen nationalen Herrscher zu sehen. Durch den Haager Bündnis­vertrag vom 7. September 1701 hatten sich die beiden Mächte verpflichtet, Österreich bei der Eroberung der niederländischen und italienischen 7*

Next

/
Oldalképek
Tartalom