Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 21. (1968)
SPRUNCK, Alphonse: Verteidiger der Interessen Österreichs in den südlichen Niederlanden während des Spanischen Erbfolgekrieges 1709–1714
Verteidiger der Interessen Österreichs in den südlichen Niederlanden 97 Truppen verließen Flandern vor dem 16. August; zwei Bataillone blieben in Nieuport und eines in der Zitadelle von Gent zurück. Wie Hortiz in einem Brief unter diesem Datum meldete, erwartete er schwere Folgen von dieser Maßnahme. In London war Kurfürst Georg von Hannover ohne Schwierigkeiten als Nachfolger der verstorbenen Königin Anna anerkannt worden 33), aber die Franzosen hatten zahlreiche Truppen in der Umgebung von Dünkirchen aufgestellt. Über die Pläne Ludwigs XIV. waren die Ansichten sehr verschieden. Wie Hortiz berichtet wurde, waren die Bewerber um den Vorsitz des Großen Rates von Mecheln34) sehr zahlreich; er empfahl dem Kaiser, dieses Amt unter keinen Umständen einem Jansenisten zu verleihen. Am 16. August schrieb Merode-Westerloo an Rialp und Cardona35), der englische General Sutton, der in Brügge kommandierte, habe den Auftrag, alle englischen Truppen, bis auf drei Bataillone, die in der Zitadelle von Gent und in Nieuport waren, einzuschiffen. Schon wurden Schiffe ausgerüstet und Lebensmittel eingekauft. Da hierauf ein Kurier in einer Barke mit zwölf Ruderern in Ostende ankam und nach Hannover weiterfuhr, kam Merode-Westerloo auf den Einfall, die Zitadelle von Ostende und Nieuport sofort durch kaiserliche Truppen besetzen zu lassen, bevor die Holländer dorthin welche senden könnten; die erste Meldung hatte nämlich gelautet, alle englischen Truppen würden aus den österreichischen Niederlanden abziehen. Da er über keinerlei Anweisungen verfügte, redete er mit dem englischen Sekretär, der ihm versprach, er würde ihm vertraulich mitteilen, wann alle englischen Truppen abgezogen würden. Merode-Westerloo sollte dann die Zitadelle von Gent und Nieuport durch kaiserliche Truppen besetzen lassen; der Engländer hatte nicht viel Vertrauen in den General Wrangel, den er als Freund der Holländer ansah. Durch geheime Nachrichten hatte er aus Frankreich erfahren, daß dort allerlei Vorbereitungen getroffen wurden. Am 7. September schrieb Hortiz an Kurz, sobald Graf Königsegg nach Antwerpen käme, um als Vertreter des Kaisers mit den Holländern Verhandlungen wegen der Barriereplätze zu führen36), würden sich viele Bewohner der österreichischen Niederlande zu ihm begeben, um ihn über 33) Eine Flugschrift in mehreren Sprachen, in der Jakob III. Stuart gegen die Thronbesteigung Georgs von Braunschweig-Lüneburg protestierte, wurde um diese Zeit in mehreren Sprachen veröffentlicht. C. C. P. E. Januar 1715, S. 34—42. 34) Der von Philipp von Burgund begründete Hohe Rat von Mecheln war der oberste Appellationshof für die niederländischen Provinzen. 3ä) Veröffentlicht in den Memoiren von Merode-Westerloo, Band 2, S. 335 bis 338. 3«) Über diese Verhandlungen: Pirenne, S. 77. Weitere Einzelheiten darüber: C. C. P. E., Januar 1715, S. 77, Februar, S. 118, März, S. 220. Über die großen Schwierigkeiten bei diesen Verhandlungen: Mai, S. 370—373. Über eine Flugschrift gegen die Forderungen der Holländer auf Barriereplätze und Gebietsabtretungen: April, S. 293—298. Mitteilungen, Band 21 7