Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 21. (1968)
SPRUNCK, Alphonse: Verteidiger der Interessen Österreichs in den südlichen Niederlanden während des Spanischen Erbfolgekrieges 1709–1714
96 Alphonse Sprunck lebend oder tot ausliefern würde. Auch wurde behauptet, sie wolle ein Bündnis mit dem Kaiser schließen, um die Thronfolge der protestantischen Linie zu sichern. Als Marlborough bald darauf mit seiner Familie nach England zurückkehrte, nahm Hortiz an, große Veränderungen stünden in diesem Lande bevor. Am 30. Juli meldete er Kurz, der Staatsrat teile noch immer Ämter aus, deren Besetzung dem Monarchen zustand. So hatte er die Stellung eines Generals der Schelde, die schon vor langer Zeit als überflüssig abgeschafft worden war, jemand überlassen, der kein anderes Verdienst hatte, als daß er dessen Mitgliedern eine hohe Geldsumme ausbezahlt hatte. Alle diese Mißbräuche könnten Österreich auch nach der Herstellung seiner Souveränität zum größten Schaden gereichen. Am 19. Juli schrieb Merode-Westerloo an Rialp und Cardona 30), die Verhandlungen wegen der Barriereplätze würden Fortschritte machen, da der Kaiser den Generalstaaten Tournai, Menin und Namur überlassen wolle; über Mons wurde noch weiterverhandelt. Schwierigkeiten würden auch entstehen durch die Forderungen der Holländer auf Gebiete in Flandern, vor allem die Dependenzen von Hulst. Merode-Westerloo ärgerte sich, daß Verhandlungen von solcher Wichtigkeit geführt wurden ohne Beisein eines Mannes, der dies Gebiet und seine Wichtigkeit für den Kaiser genau kannte. Für sein Land und für sich selbst erwartete Merode-Westerloo nicht viel Gutes31). Marlborough bereitete seine Rückkehr nach England vor. Da Merode-Westerloo die Engländer kannte, befürchtete er für ihn ein schlimmes Schicksal. Wie ihm versichert wurde, war die große Schwierigkeit des Badener Kongresses die Frage der Zulassung des spanischen Bevollmächtigten. Hortiz schrieb am 6. August an Kurz, die Generalstaaten hätten Heems ein Memorandum überreicht, das ihre Forderungen betreffend die Barriereplätze und den Unterhalt ihrer Garnisonen enthielt. Nach den letzten Meldungen aus Holland waren sie vernünftiger geworden und wünschten sogar gute Beziehungen zu Österreich, zumal sie den lächerlichen Plan aufgegeben hätten, durch die Barriereplätze die österreichischen Niederlande in ihrer Gewalt zu behalten32). Weitere englische 30) Veröffentlicht in den Memoiren, Band 2, S. 333 f. 31) „Esto y lo que preveo de lo que sucederá conmigo despues de todo lo que he hecho, me quita las fuergas y el animo de modo, que me resuelbo a retirarme del mundo y a veer desde aquí estoicamente las tragicomedias que preveo, armandome solo contra el dolor que naturalmente padece un hom- bre de bien. Deseo que el gobierno del Principe Eugenio (que se nos assegura tendremos aqui) lo remedia todo.“ 32) „Devemos esperar que la justicia, la razón y la misma convenienda de los interessados harán que esta importante materia se ajuste y termine amigab- lemente y sin ruido, no haviendo genero de duda que Olandeses por su mismo interes deven desear y solicitar la continuación de una buena conveniencia con Su Majestad.“