Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 21. (1968)

SPRUNCK, Alphonse: Verteidiger der Interessen Österreichs in den südlichen Niederlanden während des Spanischen Erbfolgekrieges 1709–1714

Verteidiger der Interessen Österreichs in den südlichen Niederlanden 95 fürchtete, Prinz Eugen könnte als Statthalter nach den österreichischen Niederlanden geschickt werden29). Er selbst befürchtete, der Prinz könnte im Falle, daß der Kaiser keine Nachkommen bekäme, dort ähn­lich handeln wie Max Emanuel beim Tode Karls II. von Spanien und die Barriereplätze dem überlassen, der ihm die größten Vorteile ver­sprechen würde. Die Ernennung einer Erzherzogin zur Statthalterin die­ser Provinzen würde alle Schwierigkeiten lösen und wäre auch den Ge­neralstaaten sehr genehm. Die Herzogin von Arenberg versicherte ganz öffentlich, Prinz Eugen würde noch im Lauf der Woche in Brüssel an­kommen. Ihr Sohn war schon vorher zu ihm nach Rastatt zu Besprechun­gen über die niederländischen Angelegenheiten berufen worden; Me- rode-Westerloo nahm an, diese seien in guten Händen, da der junge Herzog große Erfahrung und guten Willen besaß. Er hatte auch erfahren, daß Kurz und Prinz Eugen dem Grafen Maldeghem seine Ernennung zum Mitglied des Staatsrates mitgeteilt hatten. Am meisten war er darüber verwundert, daß dieser seit vierzehn Tagen zusammen mit Strafford und Corias, dem geistlichen Mitgliede die­ses Rates, sich bemühte, die Magistrate der Städte umzubesetzen und Anhänger Ludwigs XIV. und des bayrischen Kurfürsten hineinzubrin­gen. Wichtig für sie war vor allem die Stadt Gent, deren Magistrat sie am 5. Juli 1708 dem Feinde übergeben hatte. Merode-Westerloo befürch­tete daher schlimme Absichten von Seiten der Engländer. Van den Bergh hatte ihn mehrmals gedrängt, die Stelle eines Präsidenten des Staatsrates anzunehmen, um die Ausführung mehrerer Bestimmungen, die den Inter­essen Österreichs, der Republik Holland und der einheimischen Bevölke­rung zuwider waren, zu verhindern. Auch über die Frage der zukünftigen Statthalterschaft der österreichischen Niederlande hatte Merode-Westerloo lange mit van den Bergh geredet. Die Anhänger des Prinzen Eugen be­haupteten, der Unterhalt einer Erzherzogin wäre kostspieliger, aber der Holländer gab zu, er würde nur die Hälfte von den Ausgaben betragen, die für den des Prinzen Eugen nötig wären. Von dem vielen Ärger, den er in Brüssel hatte, zog sich Merode-Westerloo wiederum für eine Zeit auf seine Güter zurück. Als Hortiz die Meldung erhielt, daß der bayrische Kurfürst goldene und silberne Münzen auf seinen Namen prägen ließ, nahm er an, kein vernünftiger Mensch könne die Gerüchte über einen Umtausch der öster­reichischen Niederlande gegen Bayern ernst nehmen; aber die vielen, die diesen Handel gerne gesehen hätten, fanden beim Rest der Bevölkerung genug Vertrauen, um ihn glaubhaft zu machen. Am 22. Juli meldete er Kurz, die Königin von England und ihr Parlament hätten eine Be­lohnung von 10 000 Pfund ausgesetzt für den, der den Prätendenten 20) Über den Prinzen Eugen drückt Merode-Westerloo sich an zahlreichen Stellen seiner Memoiren recht scharf aus, besonders in einer Gesamtcharak­teristik, Band 2, S. 179 f.

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