Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 21. (1968)

SPRUNCK, Alphonse: Verteidiger der Interessen Österreichs in den südlichen Niederlanden während des Spanischen Erbfolgekrieges 1709–1714

94 Alphonse Sprunck Am 4. Juni schrieb Merode-Wester loo an Rialp und Cardona26), auf Anweisung des holländischen Staatsrates arbeiteten die Generalstaaten einen Plan aus, unter welchen Bedingungen die katholischen Niederlande dem Kaiser überlassen werden könnten. Ein außerordentlicher Botschaf­ter würde ihn nach Wien bringen, um dort mit dem Monarchen wegen der Barriereplätze zu verhandeln. Am 3. Juni hatte der englische Minister einem seiner Freunde gesagt, binnen vierzehn Tagen würde die Entschei­dung fallen, ob die niederländischen Provinzen dem Kaiser oder Max Emanuel zufallen würden. Durch geheime Berichte aus Holland hatte Merode-Westerloo erfahren, daß Heems mit Strafford korrespondierte. Die Generalstaaten hatten die geplante Verminderung ihrer Besatzungs­truppen in den österreichischen Niederlanden augenscheinlich aufgescho­ben; es ging sogar Rede, die Regimenter zu verstärken. Ihre Vertreter in Paris hatten gemeldet, Ludwig XIV. hätte ihnen gesagt, ihre Regierung hätte Grund, um wegen seiner Gesundheit besorgt zu sein, da er um die Festigung und das Wohlergehen ihrer Republik sehr bekümmert sei. Die französischen Garnisonen von St. Omer und allen Grenzplätzen waren aufgeboten worden, um am Bau des neuen Hafens von Mardycq bei Dün­kirchen zu arbeiten 27). Die sogenannte Entfestigung dieses Hafens sollte am Ende des Monats beendet sein. Die englischen Truppen, die daran gearbeitete hatten, wür­den dann nach Gent, Brüssel und andern Städten kommen, zum größten Schaden der armen einheimischen Bevölkerung. Am 25. Juni schrieb Merode-Westerloo an Rialp und Cardona, durch van den Bergh habe er vor einigen Tagen den Inhalt eines Briefes des holländischen Gesandten am Turiner Hofe erfahren. Darin ging Rede von einer vollständigen Neu­ordnung in Europa. Der Herzog von Savoyen sollte Neapel und Sizilien erhalten, der Kurfürst von Bayern Piemont mit Monferrato und Mailand, der Kaiser die katholische Niederlande, das Elsaß und Straßburg. Eine Bestätigung der Nachricht, daß Straf ford seine Einwilligung zum hollän­dischen Plane des Barrierevertrages gegeben habe, hatte Merode-Wester­loo bis dahin noch nicht erhalten. Als van den Bergh am 24. Juni von ihm Abschied nahm, hatte er er­klärt, die Generalstaaten wollten die Festungen Tournai, Menin, Termonde, Mons und Namur behalten28). Merode-Westerloo hatte ihm erwidert, unter solchen Bedingungen könne der Kaiser die niederländischen Pro­vinzen nicht annehmen; er hatte ihm auch bewiesen, wie wenig solche Ansprüche berechtigt waren. Die kaiserfreundliche Partei in Holland be­2«) Veröffentlicht in den Memoiren von Merode-Westerloo, Band 2, S. 325— 327. 22) Nach der C. C. P. E., Oktober 1714, S. 264 f. handelte es sich nicht um den Bau eines neuen Hafens, sondern um den eines Kanals mit Schleusen. 28) Die Antwort Merode-Westerloos vom 25. Juni ist veröffentlicht in den Memoiren, Band 2, S. 328—332.

Next

/
Oldalképek
Tartalom