Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 21. (1968)
SPRUNCK, Alphonse: Verteidiger der Interessen Österreichs in den südlichen Niederlanden während des Spanischen Erbfolgekrieges 1709–1714
Verteidiger der Interessen Österreichs in den südlichen Niederlanden 93 Maldeghem23) in einem geheimen und vertraulichen Brief mitgeteilt, diese Provinzen würden von dem Wiener Ministerium verwaltet werden, aber für ihre Angelegenheiten würde ein besonderer Rat eingesetzt werden, wie es früher in Madrid der Fall gewesen war. Sinzendort sollte dessen Präsident werden. Die Männer des Staatsrates waren darüber sehr zufrieden, weil sie hofften, den Prinzen Eugen für ihre Grundsätze zu gewinnen. Inzwischen regierte dieser Rat unter dem Kommando von Strafford, der den englischen Minister als Mittelsperson benutzte. Die Ratsmitglieder rechneten damit, ihre Stellungen zu behaupten, da einige von ihnen mit dem Prinzen, Kurz und Max Emanuel korrespondierten. Dieser hatte vor einigen Tagen in Namur und Luxemburg eine Verordnung über seine neuen Münzen erlassen, in der er sich alle fürstlichen Titel der niederländischen Provinzen sowie den eines Kurfürsten beilegte. Dieses Dokument zirkulierte unter seinen Anhängern. Jedenfalls würden sie einen Vertrauensmann nach Wien senden, um die meisten von ihnen in den flandrischen Rat oder ins Ministerium zu bringen. Ihre Anführer waren Ursel, Herps und Tisken, drei gefährliche Kerle 24). Merode- Westerloo hatte erfahren, der Herzog von Savoyen plane, Messina zu einem Freihafen mit voller Toleranz, sogar für die algerischen Juden, zu machen. Mit vierzig Kriegsschiffen und Galeeren könne er alle Wege für den Handel mit der Levante kontrollieren. Van den Bergh hatte Merode- Westerloo wiederum gedrängt, den Vorsitz des Staatsrates anzunehmen; er betonte dabei das hohe Alter des Grafen Clairmont und die geringe Auswahl von Männern, die dem Wohl des Kaisers und des Landes zugetan waren. Briefe aus Holland bestätigten die Absicht der Generalstaaten, die Verhandlungen über die Barrierefrage in die Länge zu ziehen; Merode-Westerloo befürchtete, sie wollten auf diese Weise Zwischenfälle hervorrufen, die zum Umtausch der niederländischen Provinzen führen könnten. Zwischen Lothringen, der Champagne und den Grenzen der österreichischen Niederlande errichteten die Franzosen ein festes Lager mit Artillerie; auch der König von Preußen ergriff ähnliche Maßnahmen25 *), während die Republik Holland durch innere Zwistigkeiten erschüttert war. 23) Graf Johann Dominik Maldeghem war damals Kommandant der Festung Vilvorde. Nach der Ernennung des Marquis de Prié zum Gouverneur der österreichischen Niederlande wurde er von diesem häufig für die Angelegenheiten dieser Provinzen zu Rate gezogen. Biographie Nationale de Belgique, Band 13, S. 206—209. 24) Tr es peligrosas alaxas. Im französischen Text: Trois oiseaux dange- reux. 25) Schon vorher hatten militärische Maßnahmen Preußens die Nachbarstaaten beunruhigt. C. C. P. E., Januar 1714, S. 42.