Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 20. (1967)

BLAAS, Richard: Die Archive im Bereich des Kulturgüterschutzes

Rezensionen 573 riger der kaiserlichen Kanzlei, des „Schreibers 10“ (nach der Zählung Eggers, nachweisbar 1159—1171) und des kaiserlichen Kapellans Robert (1172—1183), welcher auch für den Reichslegaten Christian von Buch ar­beitete („Zwei Notare Friedrich Barbarossas und des Reichslegaten Chri­stian von Buch“, S. 247—268). — In der Abhandlung „Zur Deutung eines silbernen Stirnreifens des 12. Jahrhunderts aus Budweis (Böhmen)“ (S. 269—291) kommt K. M. S w o b o d a zu dem Ergebnis, daß das 1937 aufgefundene Stück ein mißlungenes und daher weggeworfenes Exemplar eines wohl in der Prager Münzstätte hergestellten Stirnreifens ist, das als Frauendiadem dienen hätte sollen. — In einem zweiten Beitrag „Zur Datierung der Wandmalereien in der Westempore des Domes in Gurk“ (S. 118—123) begründet er an Hand der Stifterinschrift und urkundlicher Nennungen die Festlegung der Entstehungszeit dieses bedeutendsten spät­romanischen Freskenzyklus Österreichs zwischen 1264 und 1277. — G. Möser-Mersky untersucht „Das österreichische ,Chronicon rhythmicum' “ (S. 17—38), das an sich infolge der Subjektivität und Lückenhaftigkeit der Darstellung nur wenig historischen Aussagewert hat. Aus Textüberlieferung und Textvergleich ergeben sich Anhaltspunkte für die Stellung dieses Werkes innerhalb der österreichischen Geschichts­schreibung und Hinweise auf die Person des Autors — vermutlich eines ungarischen Klerikers —, auf Entstehungszeit und -ort (ca. 1268/70, wahr­scheinlich in Klosterneuburg). — „Zollwesen und Verkehr in den österrei­chischen Alpenländern bis um 1300“ ist der Titel des umfangreichsten Beitrages dieses Bandes (S. 292—361). H. Hassinger legt darin ein Teilergebnis seiner umfangreichen, langjährigen Quellenforschungen zur Geschichte der Mauten und Zölle in Österreich vor; er klassifiziert das Zollrecht als Attribut der Grafschaftsrechte und verfolgt an Hand der urkundlichen Nennungen und der Ortsnamengebung die Zollstationen an den früh- und hochmittelalterlichen Handelswegen der Ostalpen, ge­gliedert in die Kapitel Vorarlberg—Tirol, Karantanien und karantanische Marken. Es ergibt sich ein verhältnismäßig klar gegliedertes System von Außen- und Binnenzöllen, das im späten 13. Jahrhundert im Zollregal der Landesherren zusammengefaßt wird. Zu vielen neuen Erkenntnissen für die Entwicklung von Handel und Verkehr kommen wichtige Einblicke in die Struktur und Verfassung der behandelten Territorien. — Th. Graff berichtet über „Eine Sammlung venezianischer Bleibullen“ im Besitze des Instituts für Historische Hilfswissenschaften an der Uni­versität Graz (S. 362—365); von insgesamt 67 Stücken (darunter 60 Dogen­bullen), stammen neun aus der Zeit vor 1500, von diesen sind drei Fäl­schungen. Eine Rarität ist die Bulle des Dogen Sebastiano Ziani (1172— 1178). — In der Abhandlung „Englische Stimmen über Österreich und Prinz Eugen während des spanischen Erbfolgekrieges“ (S. 39—62), einem Auszug aus seiner Wiener Dissertation (1964), macht H. Kospach mit dem Inhalt von sechs Flugschriften aus den Jahren 1700 bis 1713 bekannt, soweit er sich auf das Verhältnis England-Österreich und die Person des Prinzen Eugen von Savoyen bezieht. In den wiedergegebenen Äußerungen führender Publizisten spiegelt sich deutlich das Absinken des Stimmungs­barometers zuungunsten des Bündnisses und die Schärfe der inneren Aus­einandersetzung zwischen Whigs und Tories bis zu dem Zeitpunkt, zu

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