Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 20. (1967)

BLAAS, Richard: Die Archive im Bereich des Kulturgüterschutzes

572 Literaturberichte sentiments gegen das besiegte Frankreich und seine unglücklichen Be­wohner. Mit der „Friedensaktion der Frau Hofrat Szeps-Zuckerkandl im Früh­jahr 1917“ berichtet Friedrich Engel-Janosi von einer bisher unbe­kannten Episode. Die Tochter des Freundes des Kronprinzen Rudolf, des Chefredakteurs am „Neuen Wiener Tagblatt“ Moritz Szeps, war durch die Heirat ihrer Schwester mit dem Bruder von Georges Clemenceau in Verbindung mit Frankreich gekommen. Sie war mit dem Anatomen Emil Zuckerkandl verheiratet und hat sich selbst als links-liberal be­zeichnet. Sie trat während des ersten Weltkriegs in halboffiziell gebil­ligte Verbindung mit ihrer Schwester und deren Freunden. Den Inhalt dieser einen Sonderfrieden mit Frankreich erhoffenden Damengespräche hat sie dem Grafen Kessler mitgeteilt, der sie prompt dem deutschen Aus­wärtigen Amt berichtete. Interessant ist, daß auch Otto Bauer Frau Zuckerkandis Familienverbindungen, freilich mit ebenso geringem Erfolg, auszunützen versuchte. Reinhold Lorenz sucht in seinem Beitrag „Zwei große Gelehrte am Hofe Kaiser Karls“ nach einflußreichen geist­lichen Beratern des letzten Kaisers. Friedrich Funder hat in seinen Denk­würdigkeiten von einer Verleumdungskampagne gesprochen, in der nach russischen Vorbildern neben einem unfähigen Kaiser und einer ausländi­schen Kaiserin auch eine Art österreichischer Rasputin vorkomme, obwohl es sich in Wirklichkeit um einen geistreichen weltbekannten Gelehrten und Ordensmann handle. Der Vf. sucht nun diese Persönlichkeit und glaubt, daß nur der Professor der alttestamentarischen Bibelkunde an der Wiener Universität Albert Musil oder eher noch der berühmte P. Wil­helm Schmidt S. V. D. in Frage komme, der als „Austriacus Observator“ auch Propagandaschriften für Österreich geschrieben hat. Wolfdieter B i h 1 zeigt in „Österreich-Ungarn und die Krim 1918“ die deutschen Pläne mit der Krim und die Reaktion Österreichs. Hans Kramer bringt private „Erinnerungen an Rom und an das Istituto Storico Austriaco 1930 bis 1933“ und Gerald S t o u r z h schließt den gehaltvollen Band mit einer Untersuchung des für die zweite Republik so bedeutsamen Zeitraums über „Die Regierung Renner, die Anfänge der Regierung Figl und die Alliierte Kommission für Österreich, September 1945 bis April 1946“ ab, in der die Protokolle des Alliierten Rates und der Komitees zum ersten­mal von österreichischer Seite her ausgewertet werden. Hans Wagner (Salzburg). Mitteilungen des Instituts für österreichische Geschichtsforschung. Herausgeber: Der Vorstand des Instituts für österreichische Geschichtsforschung (Prof. Heinrich Fichtenau). LXXIH. Band, Graz—Köln 1965, VII, 454 Seiten. H. Fichtenau („Zur Überlieferung des ,privilegum minus1 “, S. 1—16) verneint im Gegensatz zur älteren Forschung die Existenz eines zweiten — „bayrischen“ — Originals der Urkunde über die Erhebung Österreichs zum Herzogtum (1156) und teilt die bisher bekannt geworde­nen zwölf Überlieferungen des Minus-Textes sowie deren gegenseitiges Abhängigkeitsverhältnis mit. — Im Rahmen der umfassenden Vorarbeiten zur Edition der Diplome Kaiser Friedrichs I. präzisiert R. M. Herken­rath die Tätigkeit und die bekannten Lebensumstände zweier Angehö-

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