Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 20. (1967)

BLAAS, Richard: Die Archive im Bereich des Kulturgüterschutzes

Rezensionen 565 demokratie in der Habsburgermonarchie. Herbert Steiner gibt ein eindrucksvoll dokumentiertes Bild der Brüder Scheu, deren Bedeutung für die Frühgeschichte der österreichischen Arbeiterbewegung heute noch in breiten Kreisen auch unter den Historikern kaum bekannt ist. Roman Rosdolsky legt aus dem Wiener Haus-, Hof- und Staatsarchiv Materia­lien über die Teilnahme der serbischen Sozialisten an der Stockholmer Konferenz 1917 vor. Ob Adler und Seitz wirklich so naive Hoffnungen hegten, wie sie der Herausgeber in der Einleitung vermutet, darf füglich bezweifelt werden. Es steht vielmehr nach allen Umständen fest, daß die österreichischen Sozialisten in der Stockholmer Konferenz vor allem eine Möglichkeit zum Frieden sahen und keineswegs eine Chance für die k. u. k. Politik. Abraham Ascher untersuchte den Einfluß des russischen Marxis­mus, Bolschewismus und Menschewismus auf die revolutionären Ereig­nisse in Deutschland 1917—1920. Über die erste Internationale und die Schweiz handelte Erich Grüner. Edmund Silberner brachte eine Ergänzung großen Ausmaßes zu seiner Hess-Bibliographie, darunter zwei bisher unveröffentlichte Manuskripte über Marx. Bert Andréas bringt eine unbekannte bibelkritische Bemerkung von F. Engels. Für den Archivar von größtem Interesse ist die umfangreiche Studie Paul Mayers über die Geschichte des sozialdemokratischen Partei­archivs und das Schicksal des Marx-Engels-Nachlasses. Abgesehen von den interessanten, abenteuerlichen Schicksalen der behandelten Archivbestände erweckt die Erkenntnis, wie weit man in der Bundesrepublik mit der Vor­sorge für Parteiarchive und parlamtenarische Archivalien uns Öster­reichern voraus ist, Neid und Beschämung. Alle Bände sind drucktechnisch hervorragend gepflegt, namentlich auch in den zahlreichen Abbildungen und Faksimiles. Der Literatur-Teil ist erst im Aufbau begriffen. Rudolf Neck (Wien). Archivalische Zeitschrift. Im Auftrag des Bayerischen Hauptstaatsarchivs und in Verbindung mit Hans G o e t i n g, Walter Goldinger, Anton Lar­gi a d é r, Max Miller, Johannes P a p r i t z und Georg Wilhelm S a n t e herausgegeben von Otto Schottenloher. 62. Band, Böhlau Verlag Köln—Graz 1966, 289 Seiten, 22 Tafeln. Archivwissenschaft: Zwei Abhandlungen beschäftigen sich mit Pro­blemen, deren Bewältigung in der Gegenwart und Zukunft dem Archivwesen noch manche Schwierigkeiten bereiten wird — moderne Massenakten und Dokumentation. R. Schatz gibt unter dem Titel „Niemandsland zwischen Behörden und Archiven (England—Frankreich— Deutschland)“ (S. 66—86) einen Überblick über die derzeit bestehenden Regelungen für den Übergang der Behördenakten an die Archive in den genannten Staaten und stellt fest, daß die früher üblichen Übergabe­modalitäten seit 1945 nicht mehr ausreichen, da die Archive zur Über­nahme moderner Massenakten weder räumlich in der Lage noch sachlich zuständig sind; auf dem Wege von der Behörde zum Archiv müssen also mehrere „Siebe“ eingebaut werden, die — in wirtschaftlich vertretbarer Weise organisiert — dafür zu sorgen hätten, daß nur historisch wichtiges,

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