Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 20. (1967)

BLAAS, Richard: Die Archive im Bereich des Kulturgüterschutzes

564 Literaturberichte Auswirkung der Romantik beschäftigt, Vorbeigehen kann. Scheint es auch, als ob Adam Müllers politische Theorien bereits im 19. Jahrhundert zum guten Teil anachronistisch waren, so wird der Literaturkritiker und Rhetor Müller gerade in unseren Tagen neu entdeckt. (Vgl. z. B. die Aus­gabe von Müllers „Zwölf Reden über Beredsamkeit und deren Verfall in Deutschland“. Mit einem Essay und einem Nachwort von Walter Jens. Sammlung insei, Frankfurt/Main 1967.) Ernst Hanisch (Salzburg). Zeitschriften, Festgaben, Nachschlagewerke Archiv für Sozialgeschichte. Herausgegeben von der Friedrich-Ebert-Stiftung. V. Bd., 1965, 553 Seiten. VI/VII. Bd., 1966/67, 629 Seiten. Verlag für Litera­tur und Zeitgeschehen GmbH., Hannover. Wieder liegen zwei Bände des Archivs für Sozialgeschichte vor, von dem es nicht mit Unrecht jüngst geheißen hat, daß es im deutschen Sprach- raum eine Fortsetzung von Grünbergs „Archiv“ darstellt. Der Inhalt beider Bände (darunter ein Doppelband) ist wieder sehr beachtenswert, doch können wir im folgenden nur die wesentlichen Beiträge kurz hervor­heben (Vgl. über die früheren Bände diese Zeitschrift 15. Bd., 1962, S. 669 ff., 16. Bd., 1963, S. 584 f. und 17./18. Bd., 1964/65, S. 739 ff.) Der V. Bd. bringt neben sozialgeschichtlichen Beiträgen seit dem 17. Jahrhundert vor allem wieder Untersuchungen und Materialien über die Frühzeit der modernen Arbeiterbewegung. So behandelt S h o m o Na’aman die 2. Phase des Bundes der Kommunisten seit 1848 und Edmund Silberner das Verhältnis von Moses Hess zur ersten Internationale. Marc Vuilleumier untersucht die Stellung Frank­reichs zu Weitling und dessen Schüler während ihres Schweizer Aufent­halts von 1841—1845. Aus Braunschweigischen Quellen bringt Georg Eckert Korrespondenzen des Kommunistenbundes, namentlich der Fraktion Willich—Schapper. Der junge tschechische Historiker Juri Kofalka legt uns Kor­respondenzen tschechischer Demokraten aus Dresden und Braunschweig vor, die uns beweisen, wie schon 1870/71 unter den Tschechen starke sozialistische Tendenzen wach waren. Bert Andréas macht uns mit einem bisher verschollenen Interview von Karl Marx aus dem Jahre 1878 über die SPD, Bismarck und die Sozialistengesetze bekannt. Aus den Er­innerungen des russischen Sozialdemokraten Peter Garwy erfahren wir interessante Einzelheiten aus der Zeit der Oktoberrevolution. Wolfgang Birkenfeld legt in einer umfangreichen Dokumen­tation Material über die Hetze vor allem von rechter Seite gegen den Reichspräsidenten Ebert vor. Das Bild von den Gerichten der Weimarer Zeit entspricht dabei im wesentlichen dem, wie wir es bereits aus den Publikationen der beiden Hannovers kennen. Im VI./VII. Bd., der dem stillen Andenken Werner Blumenbergs ge­widmet ist, ist ein großer Teil der Beiträge für die Geschichte Öster­reichs von Bedeutung. Der tschechische Historiker Zdenék Solle untersucht die Behandlung der tschechischen Frage durch die Sozial­

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