Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 20. (1967)
BLAAS, Richard: Die Archive im Bereich des Kulturgüterschutzes
Rezensionen 561 Als Historiker bzw. Genealoge wird man aus diesem reichen Inschriftenmaterial Ergänzendes, in manchen Fällen vielleicht auch noch Unbekanntes schöpfen. So wird man etwa in der Pfarrkirche von Fersch- nitz/Amstetten bei den Wappengrabplatten der mit den T s c h erne m b 1 s eng versippten S t r e i n s oder in Haag, wo einem in den Namen Kölnpeck Exponenten des nieder österreichischen Protestantismus begegnen, an die durch Reformation und Gegenreformation im 16. und 17. Jhdt. auch in diesen Gebieten ausgelösten Ereignisse zurückdenken. In der Pfarrkirche von Gresten/Gaming rufen die Wappengrabsteine der Zinzendorf und in Purgstall/Scheibbs die Tumba des Volkhard und der Elisabeth von Auersperg, sowie die, wenn auch nicht mehr erhaltenen, dennoch hier angeführten zahlreichen hölzernen Totenschilde von Mitgliedern dieser Familie Reminiszenzen wach, die nicht allein, wie es bei Marktrichtern oder z. B. dem Stadtschreiber von Waidhofen a./Ybbs Wolf Ebenperger der Fall ist, mit der engeren Geschichte dieser Bezirke, sondern mit der von Gesamtösterreich verbunden sind. Vom Standpunkt der Kirchen- und Klostergeschichte bieten nicht nur die Priestergrabplatten und Epitaphe der Pröpste und Kanoniker im Ardagger Stift/Amstetten oder die Grabinschriften im Benediktinerinnenkloster zu Erla/Haag, sondern auch zahlreiche Grabplatten einfacher Kleriker und Pfarrherren manches für die einschlägige Forschung. Der vorzüglich durchgearbeitete Registerteil würde an sich allein schon eine Rezension verdienen. Das Bildmaterial wurde u. a. vom Bundesdcnkmalamt und vom Bildarchiv der Nationalbibliothek beigestellt. Ein beträchtlicher Teil der Fotos ist vom Verfasser selbst aufgenommen worden. Wo Aufnahmen technisch nicht mehr durchführbar waren, es handelt sich bei diesen Fällen um Hausmarken, Schlußsteine, Jahreszahlen, Bauinschriften und Durchzugsbalken, wurden solche Objekte von Prof. Franz Kratochwil nach Skizzen des Autors gezeichnet. Die Akten der ehemaligen Gratialregistratur, die Reich- u. Hof(adels)- akten sind dem Österreichischen Staatsarchiv, Abteilung Allgemeines Verwaltungsarchiv, inkorporiert worden. Die von Genealogen vielfach gebrauchte, auch im Literaturverzeichnis und in den Textfußnoten dieses Werkes angeführte Bezeichnung „Adelsarchiv“ ist demnach irrig. Die Zitierung hätte z. B. bei Johann Adam Madelseder (Wappengrabstein an der inneren Kirchhofsmauer bei der Pfarrkirche Gresten/Gaming S. 190) richtig Allgemeines Verwaltungsarchiv (A. V. A.), Reichsakt Matlseeder 1584, zu lauten. Gegenüber den Meriten dieser Arbeit wird dieser einzige von dem Rezensenten als Staatsarchivar vorgebrachte Einwand allerdings überhaupt nicht ins Gewicht fallen. Die Bearbeitung der Inschriften der politischen Bezirke Melk und Krems wurde Herwig Hans Hornung anvertraut. Sie liegt in den besten Händen. Peter Gasser (Wien). Mitteilungen, Band 20 36