Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 20. (1967)

BLAAS, Richard: Die Archive im Bereich des Kulturgüterschutzes

560 Litera turberichte Exkurs. Dieses Schema wird immer beibehalten, nur darf sich der Ver­fasser bei Grenzsteinen, Glocken, Durchzugsbalken und Geräteinschriften im allgemeinen kürzer fassen. Erfaßt wurden alle nur irgendwie erreich­baren Inschriften, von den verhältnismäßig leichter zugänglichen Bau­inschriften, den Grabplatten, Sargtafeln und Epitaphen in den Stiften, Kirchen und Kapellen bis zu den in der Mehrzahl nur die Jahreszahl als Baujahr aufweisenden Durchzugsbalken der bäuerlichen und städti­schen Häuser. Wenn aus der hier erfaßten Reihe von 69 solcher Durch­zugsbalken etwa ein aus dem Jahre 1621 stammender, nunmehr ver­schalt, in der Stube eines Notars in Scheibbs, Hauptstraße 50, befindlicher herausgegriffen wird, so geschieht es, weil er als Beweis für das vorbild­lich methodische Vorgehen Hornung s dienen kann, welches u. a. besonders auch hinsichtlich der Kartäuserhöhle am Schwarzenberg im Südosten von Gaming hervortritt. Diese Höhle beging der Autor am 2. IX. 1959 in Begleitung des Speläologen Dr. H. Trimmei. Darüber soll hier Herwig Hans Hornung selbst, wie folgt, zu Worte kommen: „Durch einen 6 m langen, kaum noch passierbaren Schluf gelangt man in eine Halle von 45 m Länge, bis 10 m Breite und bis 4 m Höhe. An vielem Stellen der Höhlenwände sind mit schwarzem und rotem Kohlenstift (Rötel) Namen, Orte, Jz., Monogramme und Zeichen in verschiedenen Größen und Schriftformen aufgemalt. Die Inschriften (Vor- und Familiennamen z. T. auch der Klostername der Ordensmitglieder... Anm. des Rezensen­ten) befinden sich an vielen Teilen der Höhlenwände, sind teils wirr durcheinander, teils auch übereinander (die roten unten), teils stark ver­wischt oder übersintert, teils überschrieben oder nicht mehr lesbar. Sie reichen bis an die Decke hinauf, liegen in Spalten und Ritzen und häufen sich besonders im tiefsten Teil der Höhle, der 32 m unter dem Eingang liegt und von wo aus sich die Höhle, durch einen Lehmschluf versperrt, vermutlich fortsetzt. Die geschilderten Umstände lassen eine vollständige Aufnahme aller noch vorhandenen Inschriften nur schwer zu (nur bei tagelangem Aufenthalt und systematischem Abfotografieren der Wände). Es wird daher hier nur eine Auswahl der Inschriften aus der Zeit von 1512—1650, wie sie bei der Begehung der Höhle am 2. IX. 1959 aufgenommen wurde, und soweit die Lesbarkeit eindeutig war, ge­geben ........... Die fortschreitende Versinterung der Höhlenwände wird i mmer mehr Inschriften vernichten.“ So ist es eigentlich Hornung zu verdanken, wenn zumindest 24 dieser Inschriften für die einschlägige Forschung festgehalten und so der Nachwelt überliefert werden konnten. Nichts oder so gut wie nichts ist in der vorliegenden Arbeit über­gangen oder übersehen worden. Kein Ahnen- oder Votivbild, keine Glastafel bzw. Geräteinschrift blieb unberücksichtigt. Es werden dar­über hinaus in nachahmenswürdiger Akribie auch vielfach nicht mehr bestehende, zerstörte oder ammovierte Inschriften aufgenommen. Es sei in diesem Zusammenhang nur auf die vielen im Zuge der beiden Welt­kriege eingeschmolzenen Glocken verwiesen. Wo es nur möglich war. d. h. wenn eine einwandfreie Wiedergabe des Textes etwa aus den Pfarr- gedenkbüchern sowie die Erklärung des Schriftbildes sachkundig be­stätigt werden konnte, sind auch diese Fälle festgehalten worden.

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