Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 20. (1967)

BLAAS, Richard: Die Archive im Bereich des Kulturgüterschutzes

554 Literaturberichte gen bei Eigennamen beseitigt werden. Abschließend kann aber von diesem Werk gesagt werden, was der Vf. selbst in seiner Zusammenfassung der Ergebnisse ausspricht: „Der Reichtum neuer Erkenntnisse ließ sich in den wenigen Sätzen nur andeuten“ (S. 356). Reinhardt Rudolf, Die Beziehungen von Hochstift und Diözese Konstanz zu Habsburg-Österreich in der Neuzeit. Zugleich ein Beitrag zur archivali- schen Erforschung des Problems „Kirche und Staat“. Franz Steiner Verlag, Wiesbaden 1966. 354 Seiten. Wie es im Geleitwort des Buches heißt, wollen die Herausgeber die nun wiederbelebten „Beiträge zur Geschichte der Reichskirche in der Neu­zeit“ der Erforschung und Darstellung der besonderen Probleme der geistlichen Staaten des Reiches geöffnet wissen. Ohne Zweifel stellt die wissenschaftliche Arbeit Rudolf Reinhardts innerhalb dieses Rahmens eine wertvolle Bereicherung dar. Das 1. Kapitel, das nicht weniger als zwei Drittel des Buches ein­nimmt, ist — wie der Verfasser selbst bemerkt— dem 2. Kapitel eigent­lich nur „vorgespannt“. Es verfolgt unter manchmal sehr ausführlicher Berücksichtigung der rein politischen Vorgänge die historische Entwick­lung des Hochstiftes und der Diözese Konstanz angefangen von der Frage nach dem Ursprung des Bistums bis herauf ins 19. Jahrhundert. Die Rechtsbeziehungen des Hauses Habsburg mit der Kirche in Kon­stanz, die kirchenpolitischen Fragen und Probleme im Wandel der Epochen stehen dabei ausschließlich im Vordergrund. Die jeweilige Persönlichkeit des Bischofs bestimmt die Freiheit und Eigenexistenz der Konstanzer Kirche; das wird sehr illustrativ in der chronologischen Darstellung der Amtsperioden gezeigt. Ein lebendiges Stück Kirchengeschichte stellt zum Beispiel die Charakterisierung des Andreas, Kardinals von Österreich (1589—1600), des ersten „tridentinischen Reformbischofs“, dar. Als Kirchenfürst von großer politischer Aktivität, „Zielstrebigkeit und Kom­promißfeindlichkeit“, legte er weitblickend bereits das Fundament für das Konkordat, das zwischen seinem Nachfolger Joh. Graf. Waldberg- Wolfegg (1628—1645) und dem Erzherzog Leopold von Österreich im Jahre 1629 zum Abschluß gekommen ist (S. 39). Der 2. Abschnitt des 1. Kapitels führt bis in die Mitte des 18. Jahr­hunderts. Die politisch-militärischen Auseinandersetzungen zwischen Österreich und Frankreich lassen die kirchlichen Fragen begreiflicher­weise zurücktreten, Konstanz steht im „Kraftfeld politischer Spannungen“. Aber der 3. Abschnitt, welcher der Amtsperiode zweier Bischöfe ge­widmet ist (der Brüder Franziskus Konrad Kasimir und Maximilian Rodt, 1750—1800) sollte zum interessanten Höhepunkt führen. Doch schon die Umstände der Wahl und die Person des Kandidaten Kasimir von Rodt, der dann letztlich zum Zuge kommt, sind das Symptom, daß es in der kirchenpolitisch so geladenen Zeit des Josefinismus in Konstanz nichts mehr zu kämpfen gibt. Kasimir von Rodt ist ein guter Patriot und stets eingedenk seiner Abhängigkeit von Maria Theresiens Gnaden ... Hans Wagner (Salzburg). Kirchengeschichte

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