Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 20. (1967)

BLAAS, Richard: Die Archive im Bereich des Kulturgüterschutzes

Rezensionen 553 klärung sieht (S. 354), interessiert besonders die Wirksamkeit der Piari- sten und der Einfluß Österreichisch-Galiziens in der letzten Epoche der Eigenstaatlichkeit des unglücklichen Volkes. Auf die Rolle der Juden und die auch hier vorhandenen Wirkungen der Aufklärung wird mit keinem Wort eingegangen. Die Schilderung der russischen Verhältnisse wird mit Zitaten Lenins eingeleitet (S. 267). Sie zeigen den überwiegenden deut­schen Einfluß am Beginn der petrinischen Reformen. Von irgendwelchen Rückwirkungen aus dem Osten kann im geschilderten Zeitraum noch keine Rede sein. Ohne ausgebildetes Schulwesen, ohne Universitäten mußte die 1724 gegründete Akademie der Wissenschaften bei aller Aner­kennung ihrer Leistungen zunächst ganz auf das Wirken der Ausländer angewiesen sein. Hier in Rußland ist endlich auch von der Konkurrenz des französischen Einflusses die Rede. Um die Jahrhundertmitte hat hier schon die Nachfrage nach französischen Büchern die nach deutschen über­troffen. Die Zustände in der Ukraine, die bei uns ganz unbekannt geblie­ben sind, schließen das hochinteressante Buch ab. Es ist leicht, bei einer so unermeßlichen Stoffmenge im einzelnen Kritik zu üben. Ein Teil der bisherigen Anmerkungen soll nur zeigen, daß man von einem anderen Standpunkt aus viele Dinge anders sehen kann. So hätte z. B. auf den überragenden Anteil des Adels an der österreichi­schen Aufklärung sehr im Gegensatz zur passiven Haltung der preußi­schen Junker besonders hingewiesen werden können. Einiges entkräftet der Vf. auch selbst durch den Hinweis, daß durch seine nähere Beschäfti­gung mit der katholischen Aufklärung andere wichtige Aspekte, wie das wesentliche Wirken der Freimaurer oder der wissenschaftlichen Gesell­schaften etwas zurücktreten (S. 353). Von der Freimaurerei in ihrem Wir­ken für Gleichheit und Toleranz ist tatsächlich wenig die Rede. Bei der Schilderung des Grafen Sporck vertritt Winter weiterhin den viel zu frühen Ansatz der ersten Prager Loge 1726, den schon der verdiente Bio­graph des Grafen, Heinrich Benedikt, für unhaltbar erklärte (S. 180). Bei der Gründung der ersten Wiener Loge 1742 ist kein Einfluß des damali­gen Breslauer Domherren (nicht Bischofs) Graf Schaffgotsch nachzuwei­sen (S. 136). Bei den religiösen Schriften Franz Stephans von Lothringen handelt es sich keineswegs um „in neuester Zeit entschlüsselte geheime Aufzeichnungen“ des Kaisers (S. 136). Hier liegt offenbar eine Verwechs­lung mit den geheimen Denkschriften Leopolds II. vor. Das alles wiegt angesichts der großen Gesamtleistung nicht schwer. Sehr bedauerlich ist hingegen, daß auf Einzelnachweise ganz verzichtet und damit jede Überprüfung unmöglich gemacht wurde. Dafür bieten die riesigen, nach Kapiteln geordneten Quellen- und Literaturverzeichnisse keinen Ersatz. Wie man auch bei großen Stoffmengen zusammenfassende Nachweise geben kann, zeigt etwa Fritz Dickmann in seinem Monumental­werk über den Westfälischen Frieden. Vielleicht könnten bei einer späte­ren Auflage die gerade bei der weitgehenden Heranziehung fremd­sprachiger Literatur für die Einzelforschung so wichtigen Nachweise in dieser Form beigegeben werden. Bei dieser Gelegenheit könnte auch die störende und nur geringe Einsparungen bringende ständige Abkürzung der Vornamen aufgegeben und zahlreiche Druckfehler und Verschreibun-

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