Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 20. (1967)
BLAAS, Richard: Die Archive im Bereich des Kulturgüterschutzes
Rezensionen 551 geheures, bisher kaum beachtetes Forschungsfeld zum ersten Mal abgegrenzt. Nach einer Einleitung, die der Entwicklung des konfessionellen Absolutismus, der Entstehung und dem Durchbruch des modernen Denkens und dem langsamen Eindringen der Aufklärung in die Kirchen gewidmet ist, wird die Frühaufklärung nacheinander in Deutschland, in Österreich, in den Ländern der böhmischen Krone, in einem Teil Ungarns — der heutigen Slowakei und der Karpatoukraine — und in Polen, Rußland und der Ukraine behandelt. Diese geographische Einteilung bedingt natürlich viele Wiederholungen, wenn das Wirken von Männern behandelt wird, die ihren Standort gewechselt haben. Das war bei vielen dieser von der offiziellen Meinung abweichenden Neuerer der Fall, die der Verfolgung immer wieder ausweichen mußten. Vom Standpunkt der Erforschung der Verhältnisse in der Habsburgermonarchie, somit auch dem eigentlichen Gebiet des Verfassers, ist der Verzicht auf den Südosten zu bedauern, auf das eigentliche Ungarn und Siebenbürgen. Er wird damit motiviert, daß für eine Geschichte der Aufklärung in Mittel- und Osteuropa unter dem Gesichtspunkt der deutschslawischen Wechselseitigkeit nur Nordwest- und Nordostungarn, die heute tschechoslowakischen und sowjetischen Gebiete, interessieren könnten (S. 193). Abgesehen von der Unmöglichkeit, bei einer solchen Zusammenschau spätere Grenzbildungen und lange nachher auftauchende nationale Gegensätze zu berücksichtigen, zeigt sich bei dieser Beschränkung auch gleich die Einseitigkeit der Gesamtanlage, die bei einer ausführlichen Schilderung der deutschen Mittlertätigkeit im Osten notwendig die bestimmenden Einflüsse West- und Südeuropas vernachlässigen muß. Der zeitlichen Abgrenzung nach oben, für die einzelnen Gebiete je nach der Entwicklung verschieden, wird man im allgemeinen zustimmen können, wenn auch der vollständige Sieg der Aufklärung, um 1750 in Deutschland, ein Jahrzehnt später in Österreich und wieder etwa zehn Jahre später in den slawischen Ländern, bereits mit dem Beginn der Gegenbewegungen zusammenfällt. Minutiös genau wird die Entwicklung besonders in Sachsen und Brandenburg geschildert, wo Winter die Archive und die Arbeiten seiner Schüler zur Verfügung standen. Die Leistungen eines Thomasius, eines Wolff oder Leibniz werden zusammen mit zahllosen anderen gebührend ins Licht gestellt. Daß dabei auch Vergröberungen und Klischees Vorkommen — so wird Guericke mit seiner Luftpumpe als Begründer der experimentellen Physik gefeiert (S. 29) oder dem „leichtfüßigen“ Voltaire der „schwerblütige“ Schweizer Euler entgegengestellt (S. 93) — liegt in der Anlage des Werkes begründet. Daß König Friedrich „die langatmigen Bände Wolffs über das Naturrecht in lateinischer Sprache langweilten“ (S. 93), wird nicht wundernehmen, wenn man weiß, daß ihm auch die lateinischen Klassiker nur in französischen Übersetzungen zugänglich waren. Die Frühaufklärung in Österreich, die Leistungen besonders der Präfekten der Hofbibliothek und Beamten der Hofkammer (Schierl von Schierendorff), auch der starke Einfluß Muratoris und der Italiener werden zutreffend dargestellt. Die Vertreibung der Protestanten aus dem Defereggental 1684 und die Auswanderung von Lutheranern aus Hallein