Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 20. (1967)

BLAAS, Richard: Die Archive im Bereich des Kulturgüterschutzes

Rezensionen 547 man in Österreich noch nicht. 1860 beschlagnahmte die Polizei alle Schrif­ten des Grafen und seiner Vertrauten, darunter auch die haßerfüllte „Große Satire“. Um einem drohenden Prozeß und der Verurteilung als Majestätsverbrecher zu entgehen, hat der alte Graf in der Osternacht 1860 Selbstmord verübt. Kurz nach diesem Freitod, an den in Ungarn niemand glauben wollte, dachte die Regierung noch an einen Prozeß. Aber schon ein Jahr später erlaubte sie eine Sammlung zur Errichtung eines Denk­mals. Als erster hat Feldzeugmeister Benedek, der neue Generalgouver­neur Ungarns, seinen Namen auf die Spendenliste gesetzt. Der Verfasser hat diesen dramatischen Lebenslauf durch eine flüssige Darstellung und die stete Einblendung von Tagebuchaufzeichnungen sehr lebendig gestaltet. Für die Magyaren ist es noch heute eine bewegende Frage, ob unter den Erneuerern Ungarns Széchenyi oder Kossuth die Palme gebührt. Nach einer Periode der Széchenyi-Verehrung in der Zwischenkriegszeit (Szekfü) hat sich nun die Waagschale wieder zugunsten Kossuths gesenkt. Silagi bemüht sich temperamentvoll um die neuerliche Rehabilitierung seines Helden, über den die historische Entwicklung hin­weggegangen ist. Als einer der letzten und glanzvollsten Vertreter der inzwischen versunkenen Adelswelt, in seinem Streben nach ruhigem Fort­schritt und Ausgleich der Gegensätze hat Széchenyi eigentlich das „Sed victa Catoni“ der Nachwelt in vollem Maße verdient. 1966 haben Exil­ungarn am Geburtshaus Széchenyis in der Wiener Herrengasse „dem großen Staatsmann und Erneuerer Ungarns“ eine Gedenktafel gewidmet. Im magyarischen Teil der Inschrift steht sein Ehrentitel „A legnagyobb magyar“, zugleich der Titel des vorliegenden schönen Buches, das gerade den österreichischen Leser ansprechen sollte, da es viel zum Verständnis der eigenen, so lange dem Nachbarland im Guten und Bösen eng verbun­denen Vergangenheit beitragen kann. L h o t s k y Alphons, Die Wiener Artistenfakultät 1365—1487. Österreichische Akademie der Wissenschaften, philosophisch-historische Klasse, Sitzungs­berichte, 247. Band, 2. Abhandlung. Hermann Böhlaus Nach!, Wien 1965, 273 Seiten. In diesem gehaltvollen Band, einer Festgabe der Akademie der Wissen­schaften zur 600-Jahrfeier der Universität Wien, wird mehr gegeben als die Geschichte der Artistenfakultät im 14. und 15. Jahrhundert. Dank der umfassenden Bildung des Vf. weitet sie sich zu einer höchst reizvollen Geistesgeschichte des Spätmittelalters. Dazu kommt die große Wichtigkeit gerade der facultas artium für die Wiener Universität. Bis weit ins 19. Jahrhundert hinein ist sie die Grundlage der Ausbildung auch der Theologen, Juristen und Mediziner geblieben, sie hatte daher besondere Bedeutung als allgemeinbildendes Fundament aller Studien. Die Ein­leitung beschäftigt sich mit den Artes liberales und deren Geschichte. Die Entstehung der Artistenfakultäten, die in den vorhandenen Schulen Hans Wagner (Salzburg). Geistesgeschichte 35

Next

/
Oldalképek
Tartalom